Hand auf’s Herz: Was hören Sie, wenn Sie jemanden nach seiner Befindlichkeit im Job fragen? Ganz wenige schwärmen dann von interessanten Aufgaben, einem verständnisvollen Chef, ihrer permanenten Weiterentwicklung und ihrem kontemplativ-erfreulichen Umfeld. Aber das sind nur ganz wenige. Die meisten „jammern“ und leiden. Der Leidensfaktor am Arbeitsplatz ist offensichtlich immens hoch – und die Leidensgründe sind vielfältig.
Um Leiden zu schaffen und aufrecht zu erhalten, müssen wir etwas zuführen, etwas beitragen: Es braucht Energie, Aktivität, eine spezifische Wahrnehmung, Erklärung und Bewertung, um zu leiden.
Wir müssen also etwas dazu tun. Leiden passiert nicht einfach von selbst – und vor allem: Die Autoren sind der Überzeugung, dass nicht die anderen unser Leiden schaffen, sondern wir ganz allein – sicherlich, in Wechselwirkung mit anderen. Aber es braucht uns, unser Verhalten, damit wir leiden.
Auf eine humorvolle Art und Weise geben die Autoren eine Anleitung, wie Sie effizient und zielsicher „unter sich selbst leiden“, „unter anderen leiden“, „beim Leiten zu leiden“ und „im Team zu leiden“ – Sie brauchen nur den Leidensmeilensteinen folgen.
Sonja Radatz
Beruf Führung Management Selbstreflexion Systemisches Management
Mit einem im Plauderton gehaltenen Ansatz nähert sich die bekannte Trainerin Sonja Radatz (Systemisches Coaching) zusammen mit Oliver Bartels den Grundlagen des „Burn out“-Syndroms. Dass inhaltlicher Humor der Richtigkeit der Aussage nicht zu widerlaufen muss, zeigt das leicht lesbare, aber tiefsinnige Buch auf. Ausgehend vom konstruktivistischen Ansatz Heinz von Foersters zeigen die Autoren das Bequeme am Status quo-Denken („Das ist halt so“). Schließlich gibt es auch im Job genügend Leute, die sich „die Verzweiflung möblieren“, wie dies André Heller einst genannt hat. Statt zackigen Coaching-Stehsätzen setzt „Leidensweg Beruf“ auf die Einsicht der Betroffenen in ihre nur vermeintlich vorhandene „locked in“-Situation in Beruf. Leiden an den Zwängen der Führungsrolle findet sich ebenso pointiert behandelt wie die Top 20 des Mitarbeiter-Leidens an sich selbst. Als Wegweisung zur Selbstreflexion verstehen die Autoren ihren Beitrag, zumindest die Formulierung dieser Anleitung muss als gelungene Türe, die es uns auch erlaubt, unseren „Leidenalltag“ einmal aus der heiteren Perspektive zu betrachten, bezeichnete werden. (Mag. Roland Graf, Leadership-Magazin, Oktober 2007)
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