Sommer in den Ardennen! Da könnte Sandrien sich was Besseres vorstellen. Ihr Vater geht ihr sowieso auf die Nerven, immer läuft alles nach seinem Kopf. Er will malen, also fahren sie in dieses angeblich so idyllische Haus in den Ardennen, das sich dann noch dazu als Bruchbude herausstellt. Und dieses Haus hat ihr Vater auch noch gekauft! Sandrien befürchtet, dass ihr Vater vorhat, für immer hierzubleiben und seinen Job als Kunstlehrer an den Nagel zu hängen. Für Sandrien eine grauenhafte Vorstellung, denn vor vier Jahren starb ihre Mutter in dieser Gegend, während sie selbst in einem Kinderferienlager war. Die genaueren Umstände des Unfalls von damals hat sie nie erfahren, mit ihrem Vater kann sie darüber nicht sprechen. Und dann taucht da auch noch permanent diese Frau namens Rina inklusive zweier Söhne auf, die sich alle mit Papa gefährlich gut zu verstehen scheinen. Der ältere der beiden Söhne, Mattis, ist eigentlich ganz nett, findet sie und aussehen tut er sogar ziemlich gut. Aber Sandrien ist unzufrieden mit sich und der Welt. Sie stellt Nachforschungen über den Tod ihrer Mutter an und findet auf der mühsamen und schmerzhaften Suche endlich die Wahrheit heraus: ihre Mutter hat sich selbst das Leben genommen. Endlich kann sie aber mit ihrem Vater über ihren gemeinsamen Verlust sprechen und einen ersten Schritt zur Verarbeitung dieses Schocks unternehmen. Sandrien verbringt in diesem Sommer viel Zeit in den weiten Wäldern der Gegend. Dort entdeckt sie eines Tages einen jungen Fuchs und ist so fasziniert von dem Tier, dass sie Tag für Tag zum Fuchsbau schleicht, um ihn zu zähmen. Als ihr Vater die Mutter des Fuchsjungen mit dem Auto anfährt, fühlt Sandrien sich für das Junge verantwortlich. Inzwischen ist sie mit Mattis auch schon ein kleines bisschen vertrauter geworden und erzählt ihm von dem Fuchs. Das gemeinsame Geheimnis verbindet die beiden und neben Gefühlen zarten Verliebtseins ist zwischen den beiden eine Freundschaft entstanden, die diesen Sommer sicherlich überdauern wird. Ein einfühlsames und gleichzeitig spannendes Buch mit einer lebensechten und vielschichtigen Protagonistin. In den Begegnungen mit dem Fuchs, die im übrigen aus der Fuchs-Perspektive dargestellt sind, liegt ein besonderer Reiz dieses Romans. Hier spürt man deutlich die große Liebe der Autorin zu Tiergeschichten und ihre Gabe, diese Geschichten unsentimental und doch äußerst eindringlich zu erzählen.
Sylke Hachmeister
Sylke Hachmeister, geboren 1966 in Minden, studierte Kommunikationswissenschaften, Anglistik und Soziologie an der Universität Münster. Die Übersetzerin und Autorin promovierte im Fach Publizistik.
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