Die Eisenbahn von Triptis nach Marxgrün:
Viele halten sie für eine der reizvollsten Eisenbahnstrecken Deutschlands, nennen sie gar eine versteckte Gebirgsbahn. Tatsächlich führt ihr Schienenstrang durch gegensätzliche Landstriche, quert Hochflächen und taucht ein in tief eingeschnittene waldreiche Täler. Tunnel und Viadukte, Dämme und Einschnitte wechseln sich ab. Meist verläuft die Trasse in engen Bögen und starken Neigungen und passt sich so der urwüchsigen Landschaft an. Nie stand sie im Mittelpunkt, sah keine schnellen Expresszüge mit klangvollen Namen und fernen Zielen, auch keine endlos langen Güterzüge, die quer durch Europa klapperten. Treu und brav versahen viele Generationen Eisenbahner hier ihren Dienst.
Wer sie kennt, der liebt sie! Aber wer kennt sie wirklich?
Nur wenig wurde bisher geschrieben über die knapp 70 Kilometer lange Nebenbahn vom thüringischen Triptis ins oberfränkische Marxgrün. Dieses Buch widmet sich vorwiegend dem wohl turbulentesten Jahrzehnt ihrer Geschichte. 1933 rückte die Bahnlinie ins Visier des Militärs und in den Folgejahren flossen Millionen Reichsmark in ihren Ausbau. Neben verlängerten Kreuzungsgleisen, neuen Stellwerken und Lokbehandlungsanlagen entstanden zwei völlig neue Betriebsbahnhöfe! Warum aber hier? Intensive Recherche förderte Erstaunliches zu Tage! So spielte die Strecke in den Planungen des Generalstabs für den 2.Weltkrieg eine wesentliche Rolle. Zusammenhänge werden deutlich zwischen den Baumaßnahmen und dem „Westfeldzug“, aber auch der Sudetenkrise und später zwischen der verzweifelten Suche nach Materialreserven und den deutschen Rückschlägen in Russland. Die in manchen Veröffentlichungen immer wieder auftauchende „Mär“ von regelmäßiger Nutzung der Linie Triptis – Lobenstein - Marxgrün durch den „Führerzug“ wird ebenso untersucht wie angeblich „tagelanger starker Umleitungsverkehr“ aufgrund von Luftangriffen auf den Bahnhof Saalfeld. In den Schilderungen von Geschehnissen am Kriegsende 1945 und der nachfolgenden Entwicklung der nun zwischen Thüringen und Bayern unterbrochenen Bahnlinie bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 finden sich ebenfalls überraschende Aspekte. Die ermittelten Fakten und ihre Einordnung in die Zusammenhänge werden in diesem Buch durch viele bislang unveröffentlichte Fotos und Aktenauszüge illustriert.
Steffen Höbelt
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