Leseproben
Isabell Schaupp, Goldschmiedin
Alte Familienfotos animierten sie zu Broschen und einigen Ketten, die sich niemals gemein machen können. Ihre persönlichen Hintergrundgeschichten dazu waren so anrührend, dass man darum fürchtet, sollte diese Werkgruppe jemals auseinander gerissen werden. In ihr steckt so viel individuelle Familiengeschichte und Intimität, dass ich mich frage wie Isabell Schaupp darin eine Allgemeingültigkeit erkennen kann. Sie würdigt besondere Mitglieder, Ereignisse, Verbindungen, Gepflogenheiten ihrer eigenen Familie mit einer Art von Familienschmuck wie ihn kein zweiter hat. Diesen Schatz sagt so sehr viel über ihre ureignen Beziehungen aus, die letztlich unvergleichbar sind mit allem anderen.
Carola Gänsslen, Keramikerin
Die Augen schließen und sich eine Kanne vorstellen. Das Symbol einer Kanne. Aus alter Zeit. Vielleicht aus dem Orient? Bestimmt keine neue Kannenform. Dicker Bauch und lange Schnute. Die darf nicht tropfen. Einen Deckel wie ein Hut. Einen Griff, der hält was er verspricht. Na, und vielleicht noch drei Beine? Die Behauptung, „ich bin eine Kanne“, liegt in Carola Gänsslen’s Vorstellung irgendwo zwischen dekadent und kapriziös – nicht neu, sondern nur anders geguckt. Ein humorvoll variiertes Klischee. Aber dennoch hundertprozentig zu benutzen, das ist ihr sehr wichtig: „sonst wär´s Kitsch!“ Funktionell heißt ja noch lange nicht, dass es auch praktisch sei.
Freia Schulze, Glasveredlerin
Hätte der sprichwörtliche Augenschmaus eine Menüfolge, so gäbe es die preziösen Gläser von Freia Schulze zum Dessert. Sie wecken Assoziationen zu Konfekt und Süßigkeiten: lecker, leicht, dekorativ und ganz besonders. Das muss man sich im Auge zergehen lassen. Die matten Glasflächen absorbieren das Licht. Sie sind voll davon. Sie lassen Gold und Farben auf ihren Oberflächen tanzen. Variantenreiche Motive, Girlanden und Schwärme stilisierter Miniaturen bilden den Rhythmus.
Ulrich Czerny, Täschner
Vom Vater hat er die Verarbeitung des Leders in seinen Grundzügen gelernt. Sein erstes Werk, ein Lederetui für die rautenförmige Lupe des Großvaters, hat ihn erstaunt und mit Stolz erfüllt. Von da an schien Ulrich Czerny keine Mühe zu groß, sich gutes Leder zu besorgen und schrittweise alle technischen Raffinessen seiner Verarbeitung zu entdecken und auszuprobieren. Bis heute ist er bei dem alten, ererbten Werkzeug geblieben, einem ungewöhnlichen Nähheft, das sonst vermutlich Polsterer benutzen – so genau weiss er das selbst nicht. Alle neuen Werkzeuge, die er ausprobierte, erlaubten ihm nicht, zu den Ergebnissen zu kommen, die er sich wünschte. Also blieb er bei den Alten.
„Ein reicheres Leben als dieses kann man sich nicht kaufen“ sagt der Weber Andreas Möller. Grund genug einmal hinter die Kulissen zu schauen, was diesen Reichtum ausmacht. Ganz unterschiedliche Motive, Inspirationen und Leidenschaften bewegen die Künstler, Kunsthandwerker und Designer, die in diesem Buch vorgestellt werden.
Ein selbst bestimmtes Leben zu leben, Erfahrungen zu sammeln, Zusammenhänge zu begreifen und eigene Schlüsse daraus zu ziehen – das ist ihre Art der Wertschöpfung. Von der Idee bis zur Herstellung und Vermarktung ihrer Produkte halten sie alles in einer Hand. Sie setzen den Fokus intelligent auf ihre ganz persönlichen Themen und wecken damit Faszination und Bewunderung. Verwurzelt in kulturellen Traditionen und aus Verbundenheit zur Natur, zu ihrer Umwelt und ihrem Material, schöpfen sie ihre originellen Ideen und die Kraft zu deren Umsetzung.
Schnuppe von Gwinner
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