Das ortsspezifische Theater-, Poesie- und Performance-Projekt Kaz am Sak, das von April 2018 bis November 2019 stattfand und dessen Texte in dieser Sammlung enthalten sind, wurde vom Künstlerkollektiv MASKéNADA konzipiert. Die Ausgangsidee ist so einfach wie effektiv und bestechend: Für jeden Aufführungstermin hatte das Publikum Eintrittskarten gekauft, ohne zu wissen, was der Abend bringen würde, welche Art von Performance oder Stück es sehen würde oder wer die beteiligten Künstler:innen seien. Es hatte, wie man auf Luxemburgisch sagt, d’Kaz am Sak kaf.
Hinter dem Vorhang wurde Werkaufträge an Tom Nisse, Tullio Forgiarini, Elise Schmit, Samuel Hamen und Ian De Toffoli vergeben, die jeweils ein kleines Team um sich versammelten und eine Geschichte um einen bestimmten Ort herum erfanden: eine Brauerei, die Ruinen eines Sanatoriums, ein altes Familienhaus, das zum Verkauf angeboten wird, eine Lederfabrik und ein Café im italienischen Viertel von Dudelange.
Das Ergebnis war berührend, andersartig und lebendig: Nicht nur hatte sich das Theater dieser Orte bemächtigt, sondern im Gegenzug ließen die Texte sie in mehreren übereinandergelagerten und ineinander verwobenen Raum- und Zeitschichten existieren und vibrieren. Für kurze Momente erschienen die Geister der Vergangenheit und erzählten von ihren Schmerzen, Leiden, Wünschen und Hoffnungen.
Ian De Toffoli
Ian De Toffoli wurde 1981 in Luxemburg als Sohn einer italienisch-luxemburgischen Familie geboren. Mit 19 Jahren zog er nach Paris, um Literatur zu studieren. Zwölf Jahre später verteidigte er seine Doktorarbeit über die Rezeption des Lateinischen und der antiken Kultur in der zeitgenössischen Literatur. Er veröffentlichte zwei Romane im Verlag der Cahiers luxembourgeois sowie zahlreiche Artikel oder Kurztexte in Anthologien, Zeitschriften und Sammelbänden in Frankreich und Luxemburg. Sein erstes Theaterstück, L’Annonce, das 2009 im Centre des Arts Pluriels in Ettelbrück uraufgeführt wurde, wurde am Nowy Teatr in Warschau gezeigt. In der Spielzeit 2011/2012 ist er Autor in Residenz am Théâtre National du Luxembourg. Heute lebt er zwischen Brüssel und Luxemburg.
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