Als pontifex maximus, ein Titel, der bislang für den Papst reserviert gewesen war, sollte Kaiser Friedrich II. das christliche Abendland und das muslimische Morgenland mit so großer Kraft, Innigkeit und tiefer Liebe verbinden, wie niemals jemand
vor ihm oder nach ihm es hat tun können. Er war ein Werkzeug, die im Kulturellen, Spirituellen, zugleich in den Wissenschaften, der Philosophie, aber auch im Technischen liegenden Schätze des Orients dem auf einer
wesentlich tieferen Stufe stehenden christlichen Abendland zu erschließen. Eines seiner besonderen Verdienste war die friedliche Lösung im heiligen Land und seine Krönung zum König von Jerusalam: Er erwarb das Heilige Land durch Verhandlungen mit dem Sultan al-Kâmil und dessen Gesandten ohne Blutvergießen, nachdem in den Kreuzzügen zuvor so viel Blut geflossen war.
Es gibt gute Gründe, anzunehmen, daß Kaiser Friedrich II. Muslim war. Ist von ihm selbst der Satz überliefert:
„Wie schön wäre es, einen muslimischen Staat zu regieren, ohne Päpste, ohne Priester!“, so berichtet der arabische
Chronist Ibn al-Furât: „In jenem Jahr starb Kaiser Friedrich ... Man sagt, daß der Kaiser insgeheim Muslim war.“ Und alle gegen ihn ins Feld geführte angebliche „Widersprüchlichkeit“ und „Zwiespältigkeit“ des „zauberhaften unfaßbaren ... Rätselmenschen“ lösen sich auf, ja erhalten nachgerade einen guten Sinn, wenn dies wahr ist.
Salim E. Spohr
Kaiser Friedrich II. und Sultan al-Kâmil Kaiser Friedrichs II. Verhältnis zum Islam europäische Geschichte im 13. Jhd.