Der Pope Georg Gapon, Gefängnisseelsorger im Petersburg des Revolutionsjahres 1905, ist ein unruhiger Idealist, wie wir sie aus den großen russischen Romanen von Dostojewski und Tolstoi kennen. Ihm liegen die sozialen und wirtschaftlichen Nöte der unteren Volksschichten und des Industrieproletariats am Herz, und er sucht nach Wegen, ihre Situation zu verbessern. In seiner Naivität scheint ihm der Zar als heiliges Landesoberhaupt berufen, seinem Volk ein glücklicheres Dasein zu sichern. Und so glaubt Gapon auch, dem Zaren und damit dem Volk zu dienen, wenn er als Polizeiagent die gegen die Staatshoheit gerichteten Umtriebe nihilistischer Terroristen beobachtet. Als die Terroristen von seinen revolutionären Anschauungen erfahren, bemühen sie sich, ihn wiederum für ihre dunklen Zwecke gewinnen. Unbefangen und weltfremd, wie er ist, lässt er sich von beiden Seiten einspannen. Er verstrickt sich in ein Netz aus Intrigen, in dem er glaubt, die Fäden in der Hand zu haben, doch das stellt sich als verhängnisvoller Irrtum heraus … „Gapon sucht den Zaren“ ist der zweite Band der „abendländischen Trilogie“ „Wendezeiten“ von Franz Grau alias Paul Gurk (Band 1: „Serenissimus. Im Schatten der Französischen Revolution“; Band 3: „Büroassistent Tödtke. Vorspiel einer deutschen Revolution“). Die drei durch das Revolutionsthema mehr thematisch-historisch als inhaltlich miteinander verbundenen Bände lassen sich gut auch als drei unabhängige Romane einzeln lesen.
Franz Grau
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