Ausgehend vom Modell einer „pendelnden Lebensform“, etwa zwischen Buenos Aires und Osaka, oder Seoul und New York, oder Wien und Hiroshima, postuliert Leo Federmair interkontinentales (Lektüre-)Pendeln als Form einer transversalen Ästhetik. Im Visier hat er dabei den „Roman als Tummelplatz der Geschwätzigkeit“, quer durch die Weltliteratur von Cervantes, Goethe, Flaubert, Thomas Mann, Cortázar, Borges, Joyce, Bachmann, Bernhard bis hin zu den Romanciers der Gegenwart, mit denen der Autor als Übersetzer, Leser oder Kritiker in Verbindung steht. Statt Lingua franca entsteht bei der Lektüre ein Patchwork: Es muß nicht alles zusammenpassen, es braucht den Mut zur Lücke, zur Luftigkeit, weil: am Wichtigsten ist das, was fehlt, die Leerstellen, das Schweigen, die Abwesenheiten. Periphere Geschichten können womöglich interessanter, anziehender, erkenntnisreicher sein als der zentrale Einfall.
Leopold Federmair
Leopold Federmair, geboren 1957 in Oberösterreich, Studium an der Universität Salzburg, ist als Schriftsteller, Essayist, Kritiker und Übersetzer tätig (Übersetzungen aus dem Französischen, Spanischen und Italienischen, u. a. Werke von Michel Houellebecq, José Emilio Pacheco, Francis Ponge). 2012 erhielt er den Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung. Im Klever Verlag ist neben einigen Essaybänden zuletzt 2022 seine Übersetzung des Romans Der Kohlenkübel von Henri Thomas erschienen. Nach vielen Jahren in Japan lebt er heute wieder vorwiegend in Wien.
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