Digitalisierung, die alternativlos ist, verwandelt eine Technologie, die mehr Freiheit versprach, in ein Zwangssystem. Nur die Welt des Analogen macht aus dem Raum des Digitalen eine Sphäre der Freiheit.
Digitalisierung ist allgegenwärtig. Niemand kann sich ihr entziehen, kaum jemand will es. Zu groß sind die Effizienzgewinne, zu
praktisch sind digitale Kommunikation und Informationsbeschaffung, zu viel Spaß macht es, sich mit Videoclips zu unterhalten.
Doch die Kosten der Digitalisierung sind hoch. Die Autonomie, die sie versprach, erweist sich zunehmend als Schimäre. Wie keine
andere Technologie durchdringt sie Beruf, Freizeit, Konsum und Kommunikation. Wir kaufen digital, arbeiten digital und verlieben
uns digital. Der Homo scrollens ist zur Leitfigur unserer Zeit geworden: gebeugter Oberkörper, starrer Blick, nervös zuckender
Daumen – ein digitaler Schlafwandler im öffentlichen Raum. Weil eine alternativlose Digitalisierung sich unversehens in das
Gegenteil von Freiheit zu verwandeln droht, plädiert Alexander Grau für das Recht auf ein analoges Leben. Nur wenn der Einzelne nicht genötigt ist, für jede Lebensäußerung digitale Endgeräte oder Netzwerkzugänge zu benutzen, kann diese Technologie einen
Zugewinn an Freiheit bieten.
Alexander Grau
Alexander Grau, geboren 1968, studierte an der FU Berlin Philosophie und Linguistik. Seit 2003 arbeitet er als freier Publizist, Kultur- und Wissenschaftsjournalist und veröffentlicht zu Themen der Kultur- und Ideengeschichte. Bei zu Klampen sind von ihm erschienen: »Kulturpessimismus. Ein Plädoyer« (2018) und »Entfremdet. Zwischen Realitätsverlust und Identitätsfalle« (2022).
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