Die St. Johanniskirche, das einzigartige romanische Gotteshaus der ältesten Stauferstadt Schwäbisch Gmünd,
entstand nach vermutlich zwei Vorgängerkirchen wohl zwischen 1210 und 1230, ihr Glockenturm wohl zwischen
1240 und 1250. Anstelle einer fehlenden Gründungsurkunde lieferte die frühneuzeitliche Ringsage eine wirksame
Erzählung vom Ursprung des Gotteshauses. Sie spricht vom Gelübde des staufischen Herzogs Friedrich
von Schwaben, am Fundort des verlorenen Eherings seiner Frau, der salischen Kaisertochter Agnes, eine
Kirche zu bauen. Im Geweih eines erjagten Hirsches soll man den Ring gefunden und dann dort im Remstal die
versprochene Kirche, die St. Johanniskirche, errichtet haben.
Das romanische Gotteshaus wurde im 15. Jahrhundert gotisch umgebaut. Nach einer Barockisierung zu Beginn
des 18. Jahrhunderts suchte man im Zeitalter des Historismus der ehrwürdigen Kirche zwischen 1869 und 1880
ihr altes romanisches Aussehen zurückzugeben.
Diese Publikation will die ästhetische und spirituelle Atmosphäre vergegenwärtigen, aus der die Johanniskirche
lebte. Mit ihrem weitgesteckten interdisziplinären Horizont erfasst die bilderreiche Darstellung nicht
nur die architektonischen, kunstwissenschaftlichen und historischen Aspekte des Gotteshauses, sondern auch
seine theologische, liturgische und frömmigkeitsgeschichtliche Bedeutung. Die Harmonie ihrer geometrischen
Proportionen, der symbolische Reichtum ihrer spätromanischen Portalskulpturen, die Schönheit ihrer Ornamente
und gefüllten Rundbogenfriese wie die singuläre Eleganz ihres achteckigen Turmes machen die Gmünder Staufer-
Basilika zu einer faszinierenden Perle Gamundias.
Hubert Herkommer
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