Der Erste Deutsche Meister besteht seit 1893 und blickt auf eine einzigartige Historie zurück. Am 20. Januar 1966 wurde ein ganz besonderes Kapitel aufgeschlagen: Der Verein erhielt den Namen, mit dem er vor allem in Europa für Aufsehen sorgte – 1. FC Lokomotive Leipzig. Sechs Jahrzehnte sind seitdem vergangen. Mehrere Generationen von Spielern und Trainern feierten in dieser Zeit große Erfolge und erlebten bittere Niederlagen. Vom Europacup-Finale über die Bundesliga bis hin zur Kreisklasse war alles dabei.
Um die Protagonisten dieser Dekaden angemessen zu würdigen, sind in diesem Buch sämtliche Mannschaftsfotos seit der Saison 1965/66 abgedruckt. Einige Motive können erstmals öffentlich bewundert werden.
Thomas Franke
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60 Teams in 60 Jahren: Stepanovic startete mit einem 40-Mann-Kader in die Saison
Der 1. FC Lok Leipzig wird am 20. Januar 2026 sechs Jahrzehnte alt. Wenige Wochen vor dem runden Geburtstag haben drei ehrenamtliche Lok-Autoren ein Buch mit 60 Mannschaftsfotos und Storys aus 60 Jahren herausgebracht.
Wer es in der geteilten Fußballstadt mit den Blau-Gelben hält, der kann im Fanshop des 1. FC Lok Leipzig am „heiligen Vormittag” zwischen 9 und 12 Uhr noch ein Last-Minute-Geschenk in Form eines neuen Buches erwerben. Die meisten Fußballclubs der DDR-Oberliga werden in diesen Tagen und Wochen 60 Jahre alt. Auch der mehrfache Pokalsieger aus Probstheida will am 20. Januar im historischen Wartesaal des Leipziger Hauptbahnhofs auf sechs Jahrzehnte zurückblicken. Dies ändert nichts daran, dass der „1. FC Lokomotive Leipzig, Verein für Bewegungsspiele“ stolze 132 Jahre auf dem Buckel hat. Schließlich ziert das Trikot des Regionalligisten ein Meisterstern für die drei nationalen VfB-Titel 1903, 1906 und 1913. Die Zeit seit 1966 wird trotzdem separat betrachtet − mit einem speziellen Buch. „Für uns gibt es drei wichtige Gründungsjahre: 1893, 1966 und 2003“, sagt Buchautor Thomas Franke, der in diesem Sommer gerade erst das Projekt „Ein Traum: Die überragende Saison 2024/25 des 1. FC Lok Leipzig“ beendet hatte. Doch der 48-Jährige gönnte sich keine Verschnaufpause. Gemeinsam mit Matthias Löffler und LokCast-Moderator Marko Hofmann widmete er sich dem Thema „60 Jahre, 60 Mannschaften“. Die komplizierte Lok-Historie mit etlichen Höhen und Tiefen will es so, dass zwischen 1966 und 2006 beide Vereinsnamen (Lok, VfB und wieder Lok) eine Rolle spielten. Die Haupt-Idee des Buches: Jeder Saison seit 1965/66 wird eine Doppelseite mit Mannschaftsfoto gewidmet. War es eigentlich leicht, in den lokalen Archiven 60 Teamfotos aufzutreiben? War es natürlich nicht, wenngleich der frühere SCL- und spätere Bildzeitungs-Fotograf Peter Langrock 40 Aufnahmen beisteuerte. Beim Übergang zwischen Analog-und Digitalfotografie in den Nullerjahren sei es am schwersten gewesen, die Motive zu finden. Zu DDR-Zeiten stellten die Klubs vor jeder Saison ein Foto für die FuWo-Sonderausgabe zur Verfügung. Zweimal lieferte Lok nicht, weil es keine Neuzugänge gab. Die Fußballwoche druckte einfach das Motiv des Vorjahres. „Wir haben dann fürs Buch das Foto des Pokalfinals im Mai genutzt“, so Thomas Franke, der über die 180 Seiten sagt: „Es ist eine schöne Zeitreise geworden.“ Marko Hofmann ergänzt: „Wir kennen uns wirklich gut aus. Aber wir sind bei der Recherche auf Spielernamen gestoßen, die wir noch nie gehört, die auch kein Spiel gemacht haben. Aber sie tauchen auf den Fotos auf.“ Viele Lok-Spieler seien Jahre später in anderer Funktion zurückgekehrt. Bei Frank Baum und Uwe Ferl spielten die Söhne Richard Baum und Daniel Ferl ebenfalls für die Probstheidaer.
Auch Bundesliga-Trainer Alexander Blessin (FC St. Pauli) kickte ein Jahr für Lok. Marco Rose taucht als Spieler und Trainer mehrfach auf. Physiotherapeut und Rekordmann Uwe Zimmermann ist auf 30 Fotos zu sehen. „Es dauert lange, ehe die erste Frau zu sehen ist“, so Marko Hofmann. Als 1999 Dragoslav Stepanovic („Lebbe geht weider”) Lok-Trainer war, tummelten sich um die 40 Profis zum Saisonstart auf dem Vereinsgelände: „Einige waren Sportinvalide, ein Spieler wurde gleich nach dem Teamfoto auf dem Parkplatz weggekauft.“ Im Bruno-Plache-Stadion wurde über die Jahre in jede erdenkliche Richtung mit wechselndem Hintergrund fotografiert. „Es gibt sogar ein Foto auf dem Marktplatz. An den Termin konnte sich kein Spieler erinnern. Aber das Foto ist echt“, so Marko Hofmann. Die Rarität des Buches: Einmal ist Chemie-Legende Alfred Kunze als Trainer zu sehen. Thomas Franke klärt auf: „Das war ein Traditionsspiel vor dem FDGB-Pokalfinale 1977. Da betreut er tatsächlich eine Lok-Elf.“ [Leipziger Volkszeitung, 24.12.2025]
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Wenig macht nostalgisch wie Maik Kischkos Pony
Sich an eine Chronologie von Lok Leipzig zu wagen, ist kein leichtes Unterfangen. Sie könnte im Jahr 1893 beginnen, als der Klub unter dem Namen VfB Leipzig gegründet wurde und bis zur Auflösung 1945 drei deutsche Meisterschaften gewann. Die aktuelle Chronik reißt diese Jahre jedoch nur kurz an. Stattdessen beginnt die systematische Dokumentation mit der Saison 1965/66, in die der Klub als SC Leipzig startete und die er nach der Umbenennung am 20.Januar 1966 als 1.FC Lokomotive Leipzig beendete.
Ab der Saison 1966/67 erzählt die Chronologie jede Spielzeit in einem Mannschaftsfoto und einem kurzen Abriss der wichtigsten Ereignisse des jeweiligen Saisonverlaufs. Die Autoren legen das Augenmerk weniger auf größere Erzählbögen, sondern widmen sich jeder Saison mit einer angenehm kurzweiligen Schilderung der wichtigsten sportlichen Ereignisse und interessanten Anekdoten. Es geht um Europacup-Spiele, Meisterschaftsrennen und Pokalsiege im DDR-Fußball. Aber auch um die wilde Zeit des Traditionsklubs im gesamtdeutschen Fußball, zu der auch der zeitweilige Absturz in die Kreisklasse gehört.
Die große Stärke des Werks sind die prominenten Mannschaftsfotos, die beim Betrachten Raum für eine ganz eigene nostalgische Reise schaffen – egal ob man die Zeiten von Henning Frenzel, René Müller, Frank Edmond, Bernd Hobsch oder Djamal Ziane erlebt hat oder einfach einmal eintauchen möchte.
[11 Freunde, 01/2026]
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