Walter Zahorka, 1933 im tschechischen Čista geboren, bekannt geworden als Publizist, Journalist und Lyriker, wurde 1996 Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller und war kurz vor seinem Tod im Februar 2005 für zwei Jahre Vorsitzender der Regionalgruppe Nürnberg. In seiner Wahlheimat kannte man ihn vor allem unter dem liebevollen Titel „Poesie-Pilot“.
In seiner Jugend in Tschechien war er begeisterter Segelflieger, Modellbaulehrer für Junge Pioniere in Bratislava, Pilot und Fallschirmspringer. In Teplice gründete er sein eigenes kleines Poesie-Theater. Als 1968 in Prag die russischen Panzer den Prager Frühling niederwalzten, verfasste er im Rundfunksender in Pilsen Aufrufe gegen die Besatzer.
Mit seiner jungen Familie flüchtete er in den Westen und fand in Nürnberg eine neue Heimat. Von dort startete er mit dem Fahrrad zu einer Protestfahrt gegen die Inhaftierung von Vaclav Havel, die ihn weit durch Nordeuropa führte.
Einige Jahre später sammelte er auf einem Fußmarsch durch Italien bei Interviews in allen Medien Spenden für
eine italienische Behinderten-Organisation. Dafür wurde ihm später vom Papst eine Audienz gewährt.
Das konnte aber nicht verhindern, dass er nach seiner Scheidung obdachlos wurde, denn mit Geld hatte er so einige Schwierigkeiten. Er wurde vom „Straßenkreuzer“ aufgefangen, und mit dieser Zeitschrift in der Hand begegnete er am DUDA-Eck einer Frau, die ihm wieder auf die Beine half. Viele seiner schönen Liebesgedichte waren aber nicht ihr gewidmet, sondern seiner vergangenen unerfüllten Liebe zu Julia, die für ihn unerreichbar blieb…
Die Autorin, die von 1998 bis zu seinem Tod im Februar 2005 mit ihm verheiratet war, beschreibt den Lebensweg des umtriebigen und vielseitig begabten Segelfliegers, Journalisten, Publizisten, Dissidenten und vor allem humorvollen Lyrikers Walter Leopold Zahorka durch die Wiedergabe seiner Erzählungen über seine vielen Begegnungen mit bekannten und auch weniger bekannten Persönlichkeiten in halb Europa. Einige von Walter Zahorka's Erlebnissen wurden auch von befreundeten Autoren und Kunstschaffenden als Vorwort bzw. Nachwort zu seinen Lyrikbänden geschrieben und geben tiefe Einblicke in die Seelenlandschaft des benachbarten Balkan, durch den der Fluchtweg aus Tschechien im Jahr 1969 damals führte.
Seine Wahlheimat wurde Nürnberg, wo er sich in der Künstlerszene mit vielen Aktionen engagierte. Dort gewann er viele Freunde, aber so richtig Fuß fassen konnte Walter Zahorka nie. Er wurde ein Getriebener, und als Obdachloser "strandete" er schließlich beim "Straßenkreuzer - Nürnbergs Magazin für Menschen in sozialer Not". Aus dieser Misere konnte er sich durch die Unterstützung seiner zweiten Frau wieder befreien, und so konnte er seine vielschichtigen lyrischen und sozialpolitischen Themen durch die Veröffentlichung von kleinen Lyrikbändchen ansprechen, von deren Erlös er immer eine Großteil seinen Schicksalsgenossen beim "Straßenkreuzer" zukommen ließ.
Jutta Jarosch
1950 in Nürnberg geboren, Autorin und Herausgeberin
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