Am 28. August 1937 lud die Kreisleitung der NSDAP die Schwabacher Bevölkerung zu einer antisemitischen Propagandaveranstaltung in den Saal der Bärenwirtschaft ein. Anlass war die überstürzte Flucht des Fabrikbesitzers Walter Tuchmann, Eigentümer des Drei-S-Werks. Die Belegschaft des Drei-S-Werks nahm Tuchmanns Flucht als plötzliches
Verschwinden wahr. Der sogenannte „Fall Tuchmann“ war zum Schwabacher Stadtgespräch geworden. Das Schwabacher Tagblatt berichtete über die Propagandaveranstaltung und gab zum Teil wortwörtlich die Rede des NSDAP-Kreisleiters
und Schwabacher Bürgermeisters Wilhelm Engelhardt wieder. In dieser übertrug er die antisemitischen Vorstellungen und Verschwörungstheorien der Nationalsozialisten auf Walter Tuchmann. Tuchmann blieb verschwunden und kehrte nie wieder nach Schwabach zurück. Kaum etwas war über ihn bekannt. Wer war Walter Tuchmann? Warum war er auf der Flucht? Wie und wo
überlebte er? Die Publikation mit Ausstellungskatalog der gleichnamigen Ausstellung versucht Tuchmanns Leben und Wirken als Inhaber der Grammophonnadelfabrik „Das Drei-S-Werk“ mit teils bisher unbekannten Quellen und Bildmaterial zu rekonstruieren und ins kollektive Gedächtnis Schwabachs zurückzuholen.
Marina Heller
Marina Heller M.A., geb. 1978 in Erlangen, studierte
Bayerische und Fränkische Landesgeschichte, Ur- und
Frühgeschichte sowie Neuere und Neueste Geschichte
an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Sie ist seit 2024 Lehrbeauftragte am Lehrstuhl für
Bayerische und Fränkische Landesgeschichte an der
FAU Erlangen-Nürnberg.
2022 bis 2023 arbeitete Marina Heller als wissenschaftliche
Volontärin für das Jüdische Museum Franken in
Fürth, Schnaittach und Schwabach. Seit 2024 ist sie
wissenschaftliche Mitarbeiterin im Jüdischen Museum
Franken.
Ihre Forschungsschwerpunkte sind Bayerische und
Fränkische Landesgeschichte, Kriminalitätsgeschichte,
Jüdische Geschichte in Süddeutschland, Unternehmensund
Wirtschaftsgeschichte zu denen sie zahlreiche
Aufsätze und Publikationen veröffentlicht hat.
2023 kuratierte sie die Ausstellung „Tuchmann verschwindet.
Leben und Schicksal eines Schwabacher Fabrikanten“
(27. Juli 2023 bis 8. September 2024) für das Jüdische
Museum Franken in Schwabach.
Jüdische Geschichte Schoa Grammophonnadeln