Was macht den Kern der NS-Ideologie aus? In ihrem Essay über den Nazi-Mythos zeigen Philippe Lacoue-Labarthe und Jean-Luc Nancy: Es handelt sich um ein Identitätsprojekt, um den zwanghaften Versuch, sich in der reinen und konkreten Identität eines Volkes oder einer Rasse selbst zu verwirklichen, betrieben mit den Mitteln mythischer Identifizierung. Die Autoren legen die philosophischen Wurzeln und die innere Logik der faschistischen Selbstmythologisierung frei und machen deutlich, dass der Nazi-Mythos kein irrationaler Rückfall war, sondern eine spezifisch moderne Form der politischen Identitätsbildung.
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Philippe Lacoue-Labarthe
*Philippe Lacoue-Labarthe* (1940-2007) und *Jean-Luc Nancy* (1940-2021) lehrten an der Universität Straßburg, wo sie in enger intellektueller Verbindung eine originelle Neuinterpretation der deutschen philosophischen Tradition entwickelten. Ihre gemeinsamen Arbeiten untersuchten die sprachtheoretischen Grundlagen der Lacan‘schen Psychoanalyse (Le titre de la lettre, 1973), prägten maßgeblich die französische Auseinandersetzung mit der deutschen Romantik (L‘Absolu littéraire, 1978) und unternahmen eine Neubestimmung des Begriffs des Politischen (Le ›retrait‹ du politique, 1983). An dem von ihnen gegründeten Centre de recherches philosophiques sur le politique verfolgten sie, wie in ihren individuellen Werken, die Verschränkung ästhetischer und politischer Fragestellungen in Begriffen wie Gemeinschaft, Subjektivität, Mythos, Mimesis und Repräsentation.
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