Kein Land hat Thomas Hoepker so intensiv besucht und fotografiert wie die ehemalige DDR. 1974 wurde ihm als erstem westdeutschen Fotografen offiziell gestattet, in der DDR zu fotografieren. Er zog nach Ost-Berlin und bereiste von dort aus das gesamte Land. Bis 1976 berichtete er für das Stern-Magazin aus Ost-Berlin.
Seine Farbfotografien, die ab Anfang der 1970er-Jahre entstehen und bis ins Jahr 1990 reichen, beschreiben mit Empathie, Verständnis und dem unverwechselbaren Humor Hoepkers das Leben in der DDR. Er dokumentiert die leuchtenden Staatsparaden vor geschmückten Plattenbauten ebenso wie die zerfallenden Altstädte. Er nimmt uns mit auf den sozialistischen Schaufensterbummel und zum täglichen Fahnenappell. Künstlerinnen wie Katharina Thalbach und Wolf Biermann werden von ihm porträtiert, ebenso der Alltag der Kohlemänner in den rußbedeckten Hinterhöfen des Prenzlauer Berges und der Landarbeiterinnen auf den Feldern Thüringens.
Hoepker zeigt die DDR in ihrer eigenen Farbigkeit und schafft es, ein alternatives Bild des Landes und seiner Bewohnerinnen zu vermitteln sowie die offiziellen Darstellungen der Staatspropaganda, die das Monopol auf Farbfotografie innehatte, zu hinterfragen.
Seine einprägsamen Bilder von den historischen Umbrüchen der Wendezeit machen Thomas Hoepker zu einem Chronisten des Verschwindens der DDR aus der Geschichte.
Thomas Hoepker
Thomas Hoepker (* 10. Juni 1936 in München, † 10. Juli 2024 in Santiago de Chile) zählt zu den bedeutendsten Fotografen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Viele seiner Fotografien, wie die Porträts von Muhammad Ali und die Aufnahmen am 11. September 2001 in New York, sind zu ikonischen Erinnerungsbildern geworden und in das kollektive Gedächtnis der Menschen eingegangen. Seine humanistischen Dokumentationen haben das Verständnis von künstlerischer Autorenfotografie geprägt.
Mit 14 Jahren entdeckt er die Fotografie und bereits während der Schulzeit kommt es zu ersten Bildverkäufen an Zeitungen und zu kleineren Ausstellungen. Nach dem Abitur 1956 beginnt er ein Studium der Kunstgeschichte und Archäologie, kauft sich seine erste Leica-Kamera und fotografiert in den Sommermonaten intensiv in Italien. In dieser Zeit gewinnt er zweimal einen Preis auf der internationalen Fotomesse photokina.
1959 beginnt seine fotojournalistische Tätigkeit bei der Münchner Illustrierten. Von 1961 bis 1963 arbeitet er für das Magazin Kristall. Mit seinen Reportagen über spielende Kinder an der Westberliner Mauer und einer Reise durch das Hinterland der USA 1963 erlangt er internationale Beachtung und wechselt 1964 zum Magazin Stern. 1968 erhält Thomas Hoepker den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Fotografie.
1974 zieht er für zwei Jahre nach Ost-Berlin, um aus der DDR zu berichten. Ab 1976 lebt und arbeitet er in New York City. 1977 wird ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. 1989 wird Hoepker als erster deutscher Fotograf Vollmitglied der Agentur Magnum und ist von 2003 bis 2007 ihr Präsident. Thomas Hoepkers Werke werden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit präsentiert und befinden sich in den wichtigen Museen und fotografischen Sammlungen.
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