Die Corona-Krise stellt eine Zäsur dar. Viele Organisationen müssen sich an enorme und langfristige Veränderungen anpassen
und sich grundsätzlich neu positionieren. Doch wie können Führungskräfte diese Umstellungen schaffen, wenn sich der Veränderungsdruck schon vor der Krise kaum bewältigen ließ?
Um diese Frage zu beantworten, analysieren wir, was Führungskräfte und Organisationen von Lösungen aus der letzten großen, komplexen gesellschaftlichen Herausforderung lernen können: der sogenannten „Flüchtlingskrise“. Während auch damals zahlreiche etablierte Organisationen ins Chaos gestürzt sind, konnten junge Initiativen, Start-ups und anderen Graswurzelorganisationen ohne Struktur agil auf plötzliche Veränderungen reagieren und die Krise als Nährboden für Innovationen nutzen. Anhand von 24 Interviews mit Personen in relevanten institutionellen Positionen in 12 Initiativen und Organisationen untersuchen wir, wie die sogenannte „Willkommensbewegung“ und etablierte Akteure die Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft ihrer Organisationen wecken konnten. Diese Erfahrungen zeigen, dass Führungskräfte Veränderungen nicht nur zentral gestalten können, sondern auch die Voraussetzungen für dezentrale Selbstorganisation schaffen und stärken müssen, um nötige Veränderungen nach einer Krisensituation zu ermöglichen. Daraus leiten wir praxisnahe Handlungsempfehlungen für Führungskräfte und etablierte Organisationen ab, die auf die jetzige Krise reagieren müssen.
Führung Krise Selbstorganisation gesellschaftliche Herausforderung