Dieses Buch soll eine Art Erfüllung des Dichtervermächtnisses sein. Ilhan Berk hat dem Yüksel Pazarkaya vermutlich seinen allerletzten Brief geschrieben in gebrechlichem Zustand mit zittriger Handschrift. Am 27. Juni zwei Monate vor seinem Tod am
28. August 2008 in Bodrum schrieb er einen Brief, in dem er sein Unverständnis darüber ausdrückte, dass seine Gedichte - abgesehen von Anthologien - in Deutschland nicht erschienen sind, während Lyrikbände von ihm unter anderem
in englischer, französischer und spanischer Übersetzung veröffentlicht worden waren.
Ilhan Berks Lyrik ist durch und durch modern, gleichzeitig verwurzelt in den tiefen Quellen der Tradition. Vor allem bedient er sich höchst eigenständig bei den modernen Strömungen. Dabei werden Dingobjekte sowie bereits
zu Schrift gewordene Welt, alles Geschriebene und Gezeichnete in der Ge- schichte, in Wörter und Worte transponiert, übersetzt. Seine Poetik ist dia- lektisch angelegt: Die Übersetzung der Dinge in Sprache geschieht sachlich nüchtern und poetisch zugleich. Das sachlich Scheinende gewinnt Sinnreich- tum. Das Wort mit einem einzigen Sinn tötet bekanntlich das Gedicht, ehe es entsteht.
Als ich den Sinn verstand, verlor ich mein Gedicht.


Ilhan Berk
lhan Berk, geb. 1918 in Manisa. Studierte Französisch. Anschlie- ßend war er als Lehrer tätig. Seine frühesten Gedichte erschienen 1935, ebenso sein erstes Buch. Nach der Veröffentlichung seines Gedichtbands Günaydin yeryüzü (Guten Morgen, Welt) im Jahre 1953 wurde er verfolgt.
Ilhan Berk gilt als Protagonist der modernen türkischen Dich- tung. Seine vor 1953 meist dem Realismus zuneigende Dichtung bereitete später den Weg für die Lyrikbewegung Zweite Neue. Hauptthemen seiner Gedichte sind Geschichte und Sexualität.
Für seine Werke erhielt er 1979 den Preis der Türkischen Sprachgesellschaft, 1980 den Behcet-Necatigil-Preis, 1983 den Yeditepe-Preis und 1988 den Preis der Simavi-Stiftung. 2008 gestorben.
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