Gaddafi, Koks und Knaben – ein CIA-Mordkomplott
„Die Geschichte bietet Stoff für einen Thriller.“, schrieb DER SPIEGEL in seiner Hausmitteilung am 27. 06. 2011, nachdem er die hier zugrunde liegenden Geschehnisse bereits 1987 in der Ausgabe Nr. 8 als „ein Jahrhundertfall“ der Berliner Kriminalgeschichte bezeichnet hatte. Tatsächlich war das nur ein kleiner Teil der Wahrheit, die Westberlins Sicherheitsbehörden mit allen Mitteln unterdrückt.
„Was nicht passieren darf, ist nicht passiert!“, brachte es der zu meinen monatelangen Vernehmungen beim BKA in Meckenheim Ende 1985 aus Karlsruhe angereiste Bundesanwalt Schulz auf den Punkt und mich mit seinen verlockenden Strafbefreiungszusagen zum Schweigen. Die am 20. März 1986 erschienene stern-Story „Waffen für Borkan“ belegte, dass ich mein Schweigeversprechen einhielt. Mit keiner Silbe war in der nur unsere „quer durch Europa führende blutige Spur“ dokumentierenden stern-Geschichte erwähnt, dass wir die CIA beinahe wie einen Tanzbären durch die weltpolitische Arena geführt hatten. Oder dass die ähnlich genarrte oberste Berliner Polizeibehörde zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität in der Keithstraße unsere Terroranschläge von Amtswegen bemäntelte. Etwa - wie jederzeit beweisbar - bei dem Anschlag im Bonner Regierungsviertel am 14. Oktober 1984 und noch schlimmer mit der aktenkundig nachweislichen Duldung des drei Tote und zweihundert Schwerverletzte geforderten Bombenanschlags in der Berliner Diskothek „La Belle“ am 5. April 1986. Das Bundesverfassungsgericht hat diese Anschuldigungen am 25. 03. 2008 „zur Kenntnis genommen“ und nach dem unwürdigen ersten Ablehnungs-, dann Annahme- sowie zweitem Ablehnungsverfahren den betreffenden Willkürentscheid 2 BvR 878/08 bis heute nicht im Verfahrensregister veröffentlicht. Diese einzigartig höchstrichterliche Vertuschungspraxis sagt mehr als tausend Worte über die brisante Handlung meines Tatsachenromans aus.
Wie schon 1997 in der ARD-Sendereihe Panorama „Tod einer Polizistin“ geschehen, möchte ich mich auch hier bei der Mutter von Yvonne Fletcher für meine Mitwirkung an der Ermordung ihrer Tochter entschuldigen. Zur Verhinderung der Tötung dieser Londoner Polizistin hatte ich unsere von Berlin aus mordende deutschexillibysche Terrororganisation „Al Burkan“ (der Vulkan) an die Stasi verraten. Ich ahnte ja nicht, dass die ostdeutsche Staatssicherheit noch bornierter als der US-Geheimdienst ist. MfS-Minister Mielkes Spionageabwehrchef Generalleutnant Kratsch machte mir zwei Jahre später in dem Stasi-Objekt „Linde“ Vorwürfe, weil ich seinen Leuten meinen Verrat nicht genauer erklärt hatte.
Den Fraktionsmitgliedern des Bundestags-Untersuchungsausschusses zur „rückhaltlosen Aufklärung“ der rechtsterroristischen „NSU“-Mordserie habe ich am 30. 01. 2012 per Einschreiben genau erklärt, dass sich die Sicherheitsbehörden „sogar überaus engagiert als terroristische Helfershelfer betätigten“. Und da dieser im Bundestag für Betroffenheit sorgende Vorwurf laut Einmütigkeit aller Fraktionen wortwörtlich „nicht stehen bleiben dürfe“, habe ich ebenfalls wortgetreu darauf hingewiesen, dass „der im Frühjahr erscheinende Tatsachenroman Gaddafi, Koks und Knaben - ein CIA-Mordkomplott an konkreten Beispielen aufzeigt, dass die bundesrepublikanische Wirklichkeit noch viel schlimmer ist“. Selbstverständlich hat jede der fünf Untersuchungsausschuss-Fraktionen ein Buchexemplar kostenlos zugeschickt bekommen, selbst wenn keine parlamentarische Krähe einer anderen ein Auge aushackt. Schon gar nicht das geschmähte rechte, auf dem keiner der hier involvierten Politiker blind sein will. Vielleicht erklären mir irgendwann die mit den Fakten vertrauten Herren Generalbundesanwalt Range, Bundesinnenminister Friedrich usw., warum das Leben von Frau Yvonne Fletcher unbedeutender ist als das einer genauso bedauerlicherweise ermordeten deutschen Polizistin.
Ich bedauere auch, dass der 1992 mit einer 500 kg Bombe bei Palermo getötete „Mafia-Jäger“ Richter Falcone leider nicht mehr diese hier von mir beschriebene und auch ihn betreffende Wahrheit erfährt. Im März 1986 wollte mich der mit seinem Staatsanwaltstross aus Italien angereiste Giovanni Falcone in Westberlin zu meinen früheren Waffenlieferungen nach Rom befragen. Unter der protokollierten Leitung des Staatsschutzes geriet Herrn Falcones politisch nicht genehme Aufklärung kurz vor dem „La Belle“- Anschlag zu einer rechtsstaatslosen Posse. La Belle – Ein Rechtsstaat ist ein Rechtsstaat ist ein Rechtsstaat, lautet folglich der Titel meines nächsten Enthüllungsbuches, dessen Schlusskapitel voraussichtlich noch dieses Jahr vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg entschieden und dann fertig geschrieben wird. Wie auf dem aktuellen Buchcover graphisch dargestellt, resultiert dieser europäische Rechtsstreit aus Gaddafi, Koks und Knaben – ein CIA-Mordkomplott.
Wegen der stark reduzierten und dennoch prallen Handlung verzichte ich auf unwesentliche Details. So könnte der eingangs des 1. Buchkapitels erwähnte beeindruckende Schreibtisch ohne weiteres bei einem US-Präsidenten im Office stehen. Dagegen hätte ich anfangs naiver Ostler nie und nimmer als Vertrauter meiner Hauptfigur Hilmar Hein vor diesem prunkvollen Möbelstück stehen dürfen.
Ob mich die CIA wie auch immer 1978 mit Hein zusammenführte, weiß ich eigentlich bis heute nicht. Zu Beginn meiner leidenschaftlich überzeugten Mitarbeit bei dem US-Geheimdienst gab mir die CIA denselben Decknamen „Hubert“, mit dem mich das Ministerium für Staatssicherheit am 23. 12. 1969 als 17-Jährigen in den VEB Leuna-Werken Walter Ulbricht „unter Druck angeworben“ hatte.
So beschönigt formuliert steht es in meiner BStU(Stasi)-Akte. Ich werde den Tag meiner Anwerbung niemals vergessen. Ebenso wenig diesen Freitag, den 4. April 1986, als ich telefonisch den für mich offiziell zuständigen Staatsschutz-Hauptkommissaren Spielmann, Mücke sowie ihrem Vorgesetzten Kriminaldirektor Peter Preibsch unter Lebensgefahr anvertraute, dass in dieser Nacht eine Bombe explodieren würde. Noch weiter möchte ich hier nicht vorgreifen und abschließend darauf hinweisen, dass sich sämtliche noch so unglaubliche Angaben anhand von nahezu zweihundert Gerichts-, Kripo-, Staatsschutz-, BStU(Stasi)-, BKA-, Scotland Yard-, CIA- und anderen Ermittlungs-Akten zweifelsfrei beweisen lassen.
Manfred G. Meyer
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Manfred Gerhard Meyer
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