Torsten Ueschner verbrachte einige Jahre auf See. Dieses intensive Naturerlebnis prägte sich ein und bildet
bis heute das Substrat seines künstlerischen Schaffens. Arbeitete er sich anfänglich an der Figur ab, so geht
Ueschner später ganz in der Landschaftsmalerei auf. Einen breiten Raum seines OEuvre nehmen Seestücke ein.
Dem Maler geht es nicht um die Ästhetisierung der Natur. Seine Gemälde sind eine Art Ersatz für den
Naturverlust des Stadtmenschen. Betrachtet man die Geschichte der Kunst, standen zuerst religiöse
Darstellungen und das Historienbild im Vordergrund. Anfang des 17. Jahrhunderts wird die „erzählungsfreie“
Landschaft zum eigenständigen künstlerischen Thema. Und bald bildete sich neben Gebirgs-, Wald- und
Flusslandschaften eine Gattung mit der Bezeichnung Seestück heraus. Caspar David Friedrich, der mächtige
Romantiker, überhöhte die Landschaft mystisch in einer Form, die gleichermaßen zeitgenössisch wie zeitlos
ist und uns heute noch tief berührt. Gleichwohl integrierte der zu seiner Zeit bekannteste Maler in Sachsen
zuweilen nationale Symbole wie Gräber gefallener Freiheitskrieger in seine Landschaften.
Charles Baudelaire ordnete 1846 die Landschaftsmalerei in drei Kategorien: „Den bewundernswerten Servilismus
der Naturalisten“ und die „historische Landschaft“. Als menschlichen Egoismus bezeichnete er die
„Fantasielandschaft“. Wenn man davon ausgeht, dass Baudelaire den Terminus Servilismus positiv belegte,
denn dieser Begriff bedeutet Unterwürfigkeit, so war dem Schriftsteller und Kunsttheoretiker die pure am
Gegenstand orientierte Landschaftsmalerei näher als die thematisch besetzte.
„Der eine beginnt im Detail, der andere mit der innigen Vertiefung in seinen Gegenstand; was zur Folge hat,
dass dieser nur die Haut greift, während der andere die Eingeweide herausreißt. Zu materiell, zu sehr auf die
Außenseite der Natur bedacht, ist Victor Hugo ein Maler in der Dichtkunst geworden; stets seinem Ideal getreu
ist Delacroix oftmals, ohne es zu ahnen, ein Dichter in der Malerei.“ 1)
Auch wenn dieses Zitat von Charles Baudelaire eine Reaktion auf das Werk des Spätromantikers Delacroix ist,
so besitzt es eine ebensolche Bedeutung für Courbet, der auch der Runde um den Schriftsteller angehörte,
welche die neue Kunstströmung des Realismus etablierte.
Thomas Gatzemeier
Nach der mittleren Reife begann er ein Lehre als Schrift und Plakatmaler (heute mit Grafikdesign zu vergleichen). Nach dem Grundwehrdienst und der vorzeitigen Entlassung aus der Armee, arbeitete Gatzemeier als Steinmetzgehilfe und entwarf unter anderem Grabsteine. Ab September 1975 studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst zu Leipzig. Seine Lehrer waren Arno Rink und Volker Stelzmann. 1980 beendete er sein Studium und ist seit dem freier Künstler. Nach Konflikten mit den Machthabern und einem Ausstellungsverbot verlies er 1986 die DDR.Er wohnte und arbeitete bis 2020 vorwiegend in Karlsruhe hielt sich aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede auf und hatte von 2007-2015 in Leipzig ein weiteres Atelier. 2002 arbeitete Gatzemeier ein Jahr lang an einem 60qm großen Altarbild in derMarienkirche Crailsheim – Onolzheim. Sein malerisches Werk umkreist – stilistisch nicht gebunden – immer wieder den weiblichen Leib, ist an der Natur orientiert und mit der Tradition des gegenständlichen Abbildes verbunden. Auch wenn diese Gegenständlichkeit in früheren Werkphasen abstrahiert wurde, gründete sie immer auf explizit organischen Formen. Seit 1987 stellt Gatzemeier in Galerien, Kunstvereinen und Museen aus. Zahlreiche Werke befinden sich in renommierten Sammlungen des In- und Auslandes. Literarisches Werk: Der 1983 begonnene Roman „Der Sekretär“ erschien 2010. Danach gab er einen schmalen Band mit Erzählungen „Der Uneinsichtige“ heraus. Im Frühjahr 2012 folgte der Roman „Morgen, morgen wird alles zum guten Ende kommen.“ 2014 erwirbt der Mitteldeutsche Verlag die Rechte an dem Roman und bringt ihn in einer durchgesehenen Auflage als Taschenbuch heraus. 2017 gibt Gatzemeier in seinem kleinen Verlag ein Bildband von Horst Kistner heraus und schreibt die Texte. Seit Februar 2020 Hauptwohnsitz und Atelier in Leipzig.
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