3. Projekt-Bericht METHODISCHES ENTWERFEN
Universität- GH-Essen
Prof. Ralph Johannes (Hrsg. u. Projekt-Leiter)
Peveling-Schlüter, Beate (Projekt-Bearbeiterin):
REITANLAGE methodisch entworfen
Essen 1987
Der Projekt-Bericht besteht aus zwei Teilen:
Teil 1 - Hauptteil - zielt auf ei- nen idealtypischen Entwurf ab, auf eine Lösung von genereller Bedeutung. Die Aufgabenstellung lautet: Auf einem angenommenen Grundstück ist eine Reitanlage zu entwerfen.
Teil 2 - Diplomarbeit - basiert auf einer konkreten Aufgabenstellung und zwar liegt ein Grundstück in der Ruhrmetropole zugrunde für circa 40 Pferde, Reiter, Pfleger, Ausbilder und Besucher. Die Anlage teilt sich in vier Hauptbereiche:
- Der Stalltrakt
- Der Hallentrakt mit einer 30 x 60 m Reitbahn, einer 20 x 40 m Reitbahn, Longierzirkel, Tribüne mit 320 Sitzplätzen und Blick in beide Hallen, Casino im 1. OG mit Blick in die 30 x 60 m Halle und auf den Springplatz, Büros, Umkleide- u. Duschräume im EG.
- Der Wohnbereich, umgebaut aus dem bestehenden Schweinestall und der alten Scheune zu einer Wohnung, 4 Pflegerappartements und Schlafräumen für Lehrgangsteilnehmer.
- Die Außenanlagen: Dressurviereck 20 x 60 m, Dressurviereck 20 x 40 m, Spring-/Abreiteplatz 20 x 40 m und Springplatz 75 x 70 m mit Tribüne, Remise, Miste, Pkw- und Lkw-Parkplätzen.
Der Hallentrakt ist so konzipiert, daß im Falle eines Hallenturniers ein reibungsloser Ablauf gewährleistet werden kann. Reiter und Pferd erreichen alle Reitbahneingänge von der Stallseite aus. "Fußgänger" (ohne Pferd) erreichen die Haupttribüne, die Büros, das Casino und die Sozialräume durch den Haupteingang auf der gegenüberliegenden Seite. Ein reibungsloser Ablauf ist nicht nur im Turnierfall wichtig, sondern sollte in der täglichen Arbeit selbstverständlich sein.
Das Auffallendste auf dieser Reitanlage sind die Stallungen. Die Pferde sind in achteckigen "Pavillons" eingestellt. Der ebenfalls achteckige Mitteltrakt zwischen den 4 Stalltrakten beinhaltet alle wichtigen Einrichtungen wie Waschplatz, Solarium, Futterkammer, Abstell- kammer und Aufgang zum obenliegenden Heu- und Strohlager.
Vom Mitteltrakt erreicht man direkt die jeweiligen Stalltrakte mit ihrem rundum angeordneten Boxen. In jedem Achteck sind 12 Pferde untergebracht und eine eigene Sattelkammer. Alle Boxen haben Außenklappen, so daß die Pferde hinaussehen können. Sind bei schlechtem Wetter die Klappen geschlossen, sorgt ein oberhalb liegendes, rundum verlaufendes Fensterband für ausreichend Licht im Stall. Da das Pferd ein Herdentier ist und die Ein- zelaufstallung seinem Gesellschaftssinn widerstrebt, so haben die Pferde hier die Möglichkeit, nicht nur ihr Gegenüber, sondern alle Pferde zu sehen, am Geschehen im Innenachteck teilzuhaben und auch nach draußen sehen zu können.
Jeder Stalltrakt hat eine eigene Heuluke und eine eigene Sattelkammer, so daß kurze Arbeitswege für Pfleger und Reiter entstehen. Das ist auch bei der Fütterung von Vorteil, da die Boxen schnell zu erreichen sind und die Pferde dadurch ruhiger stehen.
Mit dieser Form der Aufstallung ist eine neue Alternative gegeben - weg von endlos langen Stallgassen und ein- oder zweireihiger Aufstallung zu Ställen, die den Pferden größtmögliche Teilnahme an ihrer Umwelt drinnen und draußen gewährleistet. Besonders in Großstädten, die nicht immer ausreichend Weideland zur Verfügung haben, sollten helle, pferdefreundliche Ställe mit viel Sichtkontakt den Pferden die Stallhaltung so angenehm wie möglich gemacht werden.
Das Entwerfen von Reitanlagen benötigt nicht nur fachliches Wissen im Bereich der Bauplanung, sondern einen großen Teil an Erfahrungswerten aus dem täglichen Umgang mit Pferden, um für alle Beteiligten an diesem attraktiven Sport optimale und gefahrlose Bedingungen zu schaffen. Die Planung bis ins Detail ist aus der Praxis von Reitern für Reiter entstanden!
Auszüge aus: PferdeWelt, 3. Jahrg., Nr.1, 4. Januar 1998, S. 24
Reportage: Weg von den endlos langen Stallgassen!
Ralph Johannes