Die Fotografien der Pulitzer-Preisträgerin Anja Niedringhaus gingen um die Welt: Fotos von der
Belagerung Sarajevos und der Flucht aus dem Kosovo, von der kreisenden Möwe über den Trümmern des World Trade Centers in New York, von amerikanischen Soldaten im Kampf um die irakische Stadt Falludscha, von spielenden Kindern in Kabul oder patrouillierenden westlichen Truppen in der Provinz Kundus. Niedringhaus’ Bilder erzählen von internationalen Krisen und Konflikten und sind auf dem ganzen Globus ins kollektive Gedächtnis eingegangen. Doch das Œuvre der im April 2014 bei einem Einsatz in Afghanistan erschossenen Fotografin besteht aus deutlich mehr als aus ihren zu Ikonen gewordenen Bildern. Die siebenbändige Werkausgabe Photography gewährt erstmalig einen umfassenden Einblick in Niedringhaus’ Schaffen aus unterschiedlichen Phasen und Kontexten. Neben ihre frühen Schwarzweiß-Fotografien treten hier ihre Anfänge als Fotojournalistin für Lokalzeitungen und ihre Farbfotos aus den Kriegen im zerfallenden Jugoslawien. Photography zeigt aber auch Niedringhaus’ einzigartige Bilder aus Politik und Gesellschaft und entführt uns in eine Welt, in die sich Niedringhaus regelmäßig begeben hat: in die des Sports. Die Vielseitigkeit ihrer Tätigkeit als reisende Fotografin für die Presseagentur Associated Press ist allein schon aus den Regionen ablesbar, in denen Niedringhaus eingesetzt wurde: Sie fotografierte im Irak, in Pakistan, in Libyen, Gaza, Israel, dem Westjordanland und immer wieder in Afghanistan. Ihre Fotos erzählen von der jüngeren Geschichte des Landes, von der Hoffnung auf Freiheit und sind damit längst selbst zu historischen Zeugnissen geworden. Die Ausgabe präsentiert Anja Niedringhaus’ Werk nicht zuletzt deshalb in einer ganz besonderen Form: Die sieben Bände erscheinen als fadengebundene Hardcover in einem hochwertigen Holzschuber.
Anja Niedringhaus
Anja Niedringhaus, geboren 1965 in Höxter, Deutschland, studierte Germanistik, Philosophie und Publizistik an der Georg-August-Universität Göttingen. Bereits als Schülerin fotografierte sie für die Neue Westfälische Zeitung und während ihres Studiums auch für das Göttinger Tageblatt. 1990 wurde sie festangestellte Fotografin bei der European Pressphoto Agency (EPA). Seit 2002 war Anja Niedringhaus als reisende Fotografin für die amerikanische Presseagentur Associated Press (AP) tätig. Niedringhaus’ Arbeiten wurden international ausgestellt und mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Für ihre Berichterstattung aus dem Irak erhielt sie – als erste deutsche Fotografin überhaupt – mit weiteren AP-Kollegen den Pulitzerpreis für „Aktuelle Fotoberichterstattung“ (2005). Am 4. April 2014 wurde Anja Niedringhaus während der Berichterstattung zur Präsidentschaftswahl in Afghanistan erschossen.
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