Reichard Geraldine Geraldine Human Design

Human Design

von Reichard Geraldine

Bier am Arbeitsplatz

EUR 14,99

Buch in deiner Nähe kaufen


...oder deine aktuelle Postleitzahl eingeben:
oder

Beschreibung

Klar ist der Roman – Human Design ist eine Kritik an der Arbeitswelt. Ein Thema, das ich in vielen Büchern behandele und – ich würde sagen – eines, wenn nicht mein Haupt-Kritikpunkt an der heutigen Gesellschaft ist. Ich habe die ersten Szenen des Buchs gegen Ende meines Bachelor-Studiums geschrieben, als ich Angst davor hatte, wie sich mein eigenes Leben durch den bevorstehenden Eintritt in die Arbeitswelt ändern würde, zudem ich niemals Hauptberuflich als Informatikerin arbeiten wollte – mir aber klar war, dass mich der Kapitalismus vermutlich dazu zwingen würde. Nichts gegen das Programmieren, das tue ich sehr gerne, allerdings ängstige mich die Vorstellung den ganzen Tag in ein Büro eingesperrt zu sein, Anweisungen anderer zu folgen, nicht mehr besonders viel Schreiben zu können und alle seine Lebenszeit für ein Gehalt geklaut zu bekommen, das gerade mal zum ganz passablen Überleben, aber nie zum Aufhören ausreichen würde. Insofern identifiziere ich mich sicherlich mit Coolie. Zwar war ich nie ein Fan von Bier oder Motorrädern, aber ich verstand seine Anti-Haltung gegenüber der Arbeitswelt und wie die Gesellschaft auf diese Haltung reagiert. Zu dieser Zeit habe ich mich sowohl über neue Arbeitswelttechnologien informiert, als auch das Kapital von Karl Marx gelesen. Obwohl ich damit möglicherweise meinen Job riskiere und dazu sagen muss, dass sich die reale Arbeitswelt, dann doch deutlich milder und angenehmer demonstrierte, als in meinen dystopischen Romanvorstellungen, muss ich sagen: Ich frage mich schon oft, wie viele Menschen einen Arbeitsalltag hinnehmen kann, wie er dem von Coolie im Human Design nicht ganz so unähnlich ist oder wie überhaupt jemand, der nie „aufhören kann“, all seine Lebenszeit verkaufen kann, um im Sinne anderer zu arbeiten, um ein Leben in etwas mehr Wohlstand zu genießen, als all jene, die nicht das Glück hatten, einen ordentlichen Job zu finden. Dabei hat kaum jemand etwas „verbrochen“, als nicht wohlhabend geboren zu werden. Vor allem beeindruckte mich der Gedanke, wie die Arbeitswelt der Zukunft aussehen könnte. Viele dieser Ideen habe ich von Artikeln über tatsächliche Zukunftsvisionen, wie Beispielsweise das Idee der Datenkontaktlinsen/Augmented Reality. Auch wenn das Überwachen von Mitarbeitern weiterhin verboten ist, gibt es schon heute immer mehr Tools, um die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu messen oder Aufzuzeichnen. Ich selber erlebe in meinem Job nicht selten Pulse-Umfragen oder ständige Vorgesetzten- Gespräche. Es reicht nicht nur, seinen Job zu machen, man soll ihn auch lieben, sich ständig rechtfertigen, dass man dahintersteht, obwohl man oft – mal ehrlich – kaum eine andere Wahl hat. Zwar kann man sich im glücklichen Fall aussuchen, wem man „untersteht“, aber nicht, wie man dort behandelt wird und als Abhängiger vom Lohn, ist man immer am kürzeren Hebel und kann kaum offen sprechen… Seit Snowdens Enthüllungen ist Totalüberwachung längst eine bewiesene Sache und schon Marx hat beschrieben, dass die Macht von Arbeitgebern über seine Angestellten auch nach Feierabend nicht endet. Auch die Freizeit muss im Sinne der Arbeitgeber genutzt werden, da sie der Regeneration der Arbeitskraft dient. Im Urlaub zu arbeiten, ist per Gesetz eigentlich verboten. Freizeitangebote, gar Kindergärten werden von Arbeitgebern bereitgestellt und genauso wie beim HumanDesign sind viele Arbeitsstädten bereits kleine Welten mit Cafés, Freizeitbereichen, Läden, Kindergärten für den Nachwuchs an Humankapital, ja, man will die späteren Mitarbeiter immer, immer früher an sich binden, und eigenem elektronischen Bezahlsystemen, nicht unähnlich dem „Punktesystem“ im Roman. Zwar gibt es noch keine Kameras in den Wohnungen und Überwachung über Kontaktlinsen, aber das ein Konzern Betriebswohnungen stellt, ist keine Seltenheit. Features, die das „Leben optimieren sollen“ wie Health-Apps oder Smart-Watches Zeichnen Daten auf und sie werden von vielen Unternehmen günstiger zur Verfügung gestellt, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Der Trend geht dahin, Mitarbeiter mehr und mehr zu analysieren und auch zu optimieren. Ein neues AWS-Service erlaubt es aus beispielsweise Kundenanrufen bereits Stimmungsnuancen herauszuerkennen. Warum sollte dies nicht auch in Zukunft auf Mitarbeiter des eigenen Unternehmens im Arbeitswelt-Umfeld angewandt werden. Unternehmen suchen sich ihre Mitarbeiter schon im Studium über duale Studiengänge und Praktika aus, teilweise gibt es neuerdings schon Pflicht-Schüler-Praktika im Alter von vierzehn oder fünfzehn, und durch das Bachelor/Master-System wird alles noch standardisierter. Vor allem die Vision, dass Bewerber nur noch als Produkte bestehend aus klaren Modul- Bausteinen und Praktika, wie Features eigens technische Geräte mit draufgespielter Software gesehen werden, anstatt als menschliche Wesen, macht mir Angst. Wer nicht Arbeitgeber ist, ist selber das Produkt, das ist schon seit Karl Marx klar, aber die Möglichkeiten, Menschen als Produkte zu verkaufen nimmt im Informationszeitalter andere Dimensionen an. Der Gedanke liegt nicht fern, dass wenn es möglich wäre, Wissen, wie Software auf einen Menschen aufzuspielen, die Welt so aussehen könnte, wie in dem Roman „Human Design“. Ich würde aber kaum sagen, dass Menschen im Roman „Human Design“ mehr als heute zu Produkten verkommen. Schon heute gibt es soziale Karrierenetzwerke wie „LinkedIn“ oder Xing, die ich persönlich kaum nutzte, da sie mir wie Menschenbörsen vorkamen, in denen sich Unternehmen ihre Mitarbeiter mit deren „Lebenslauf-Features“ aus dem Katalog aussuchen können, wie Produkte bei amazon.de. Dass Lohnarbeiter Produkte sind, ist schon seit Jahrhunderten so, aber nichts macht es so deutlich wie diese Netzwerke. Der Unterschied zum Roman Human Design liegt lediglich darin, dass nur wer schon Geld hat, seine Kinder mit genügend „Features“ „bespielen“ kann, um mithalten zu können und die eigene Leistung in den Hintergrund rückt. Außerdem wird deutlich gemacht, wie sehr Menschen durch Markt-Anforderungen angepasst und verändert werden, nur damit man mit ihnen noch Geld machen kann bzw. sie „ein gnädiges Gehalt“ als Dauer-Sklave erhalten. Es wundert mich wie nichts anderes, dass die meisten Menschen ihre Rolle als Arbeiter unhinterfragt hinnehmen und es gesellschaftlich hoch angesehen ist, in der Gunst eines Arbeitgebers zu stehen, ausgewählt zu sein und „etwas besser“ leben zu können, als jene, die ohne Job dastehen. Ich habe es immer schon gehasst, mich als Ware anbieten zu müssen. An dieser Stelle: Nichts gegen meine Kollegen, Arbeitgeber oder Vorgesetzte – ihr seid einfach super! Was ich zu kritisieren versuche, ist ein allgemeines Prinzip, von dem ich leider weiß, dass ich es nicht ändern kann. Um das hier auch mal zu sagen : Die Figur Cooli gibt es schon sehr lange. Cooli war der Protagonist in vielen Hörspielen, die ich als Kind (ich war etwa 10-14) aufgenommen habe, in denen es um Schulprobleme ging. (siehe www.gr-verlag.de/Old-Bänder). Ich glaube, dass ich sie nicht mal erfunden habe – das war ursprünglich meine Schwester Klara, die ihn soweit ich weiß von dem „Onkel Nikki“ aus Angela Anaconda ableitete – sie zeigte mir einmal ein Bild von sich und meinte „das ist Cooli“. Seitdem war er ein Charakter in unserem damaligen Universum. Damals war seine Rolle der des Leiters von spaßigen Freizeitaktivitäten und des schlechten Vorbilds – ein Motorradfahrer und Verkehrsraudi war er schon damals und er war ebenfalls bereits erwachsen. Auch Tafty hatte damals eine Rolle in jenen Hörspielen, als der ewige Miesmacher und Spielverderber, der die Protagonisten, die damals noch größtenteils in der Haut von Pokemons steckten, der ebenfalls als Leiter von Freizeitkursen begegnete. Allerdings waren seine Kurse eher „kindgerecht“ und „babyhaft“, als jene von Cooli, und seine Aufgabe bestand darin, den Protagonisten „Bisa“ dabei meistens besonders zu benachteiligen. Ein echter Bösewicht war Tafty erstmals in einem 2003 oder 2004 von mir gezeichneten Urlaubscomic (damals war ich um die zwölf, vielleicht dreizehn), in dem sich Tafty als echter Verbrecher betätigte. Einen Gastauftritt hat Cooli unter dem echten Namen Carlos auch in der Beta-Version von Sacres (siehe gr-verlag.de/sacres), sowie in dem bald erscheinenden Band 2 der Serie. Brüder wurden „Cooli“ und Tafty erst im Roman Human Design. Leni entstand erst im Roman Human Design als Anlehnung an meine Schwester Lena und dem Kapitalismuskritiker und Revolutionär Lenin.

Autor*in

Reichard Geraldine
Geraldine Reichard, *01.05.1991 in Bonn, fing 2004 im Alter von 13 mit dem Romanschreiben an, gewann während ihres Studiums mehrere Literaturwettbewerbe, arbeitete ab 2015 mit der Literaturagentur im Verlag der Autoren in Frankfurt zusammen, von der sie sich Ende 2018 trennte und 2020 einen eigenen Verlag für eigene Bücher, sowieso andere Autoren gründete. Parallel arbeitet sie bei einem internationalen IT-Unternehmen.

Themen in »Human Design«

Arbeitswelt Arbeitswelt der Zukunft Dystopie Dystopie Krimi Human Design Science Fiction Science Fiction Krimi Technologie der Zukunft Totalüberwachung dystopisch

Stimmen zu »Human Design«

Details

ISBN: 9783969940099
Verlag: GR-Verlag
Erscheinung: 01.08.2021

Link teilen


Über buchnah.de | Die Buchhandlungen | Die Verlage | Impressum & Kontakt | Datenschutz | Presse


Auf dieser Seite kannst Du Buchhandlungen in der Nähe finden