Venedig: Oase oder Alptraum? Zwei Venedig-Impressionen und zwei Figurenporträts werden miteinander verbunden: Thomas Manns Aschenbach in Der Tod in Venedig und Alfred Anderschs Franziska in Die Rote, mitsamt Verfilmungen von Luchino Visconti (Death in Venice) und Helmut Käutner (Die Rote). Zwei verlorene Seelen suchen in Venedig händeringend nach sich selbst. Seine Schreibblockade und ihre Dreiecksbeziehung treiben sie in den schönen, verführerischen Süden. Doch entpuppt sich für Franziska die venezianische Landschaft als „eisig und winterstarr“, als „Falle“, die sie gefangen hält. Aschenbach hingegen empfindet die Lagunenstadt so: „Ah, Venedig! Eine herrliche Stadt!“ Doch alles verändert sich für beide: Franziska wird stark und schafft es an die Oberfläche, während Aschenbach zum Untergang verurteilt wird. Seine wachsende Obsession mit dem Knaben Tadzio lässt ihn nicht los. Der Venedigaufenthalt wirkt für ihn als Rückschritt – für sie als Fortschritt. „Von Venedig ist schon viel erzählt und gedruckt“, meinte J.W. Goethe in seiner Italienischen Reise. Doch nicht so wie in diesem Buch! Die Parallelen zwischen literarischer Vorlage und filmischer Adaption, zwischen Deutschland und Italien, zwischen Stadt und Mensch, zwischen Mann und Frau, zwischen Hoffnung und Verzweiflung entfalten sich hier in einer fundierten wissenschaftlichen Untersuchung.
Ana Karlstedt
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