Für die Erhöhung der Nachhaltigkeit chemischer Prozesse spielt der Wandel von konventionellen
zu erneuerbaren Ressourcen eine große Rolle. Das eröffnet eine Vielzahl an
neuen Prozessvarianten. Eine detaillierte Auslegung aller Varianten ist aufwändig und
teuer, da die erforderlichen Simulationen stark von Designparametern abhängen und
es kommerzieller Simulationssoftware an Robustheit mangelt. Daher sind Screeningmethoden
erforderlich zur Bewertung neuer Prozesse. Existierende Methoden sind auf
die Analyse von Reaktions- oder literaturbekannter Prozesspfade beschränkt, sodass
neue Pfade Simulationsstudien erfordern, was durch eine geringe Datenverfügbarkeit
zu den Reaktionen und dem Fehlen fundierter Stoffdatenmodelle erschwert wird.
Um die Prozessentwicklung und -verbesserung zu beschleunigen, wird die Prozessnetzwerkflussanalyse als optimierungsbasierte Screeningmethode vorgestellt. Diese erfasst
systematisch die Reaktionsdaten und identifiziert die Art, Machbarkeit und Effi-
zienz von Trennungen, welche anhand thermodynamisch valider Trennmodelle evaluiert
werden. Basierend auf Massen- und Energiebilanzen, werden die Pfade hinsichtlich
ihrer Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit bewertet. Des Weiteren erlaubt die Methode
eine Abschätzung des Wärmeintegrationspotentials, berücksichtigt die Biomassetransportkette
und identifiziert vielversprechende Produktportfolios anhand eines
pragmatischen Marktmodells. Somit ist die Methode für einzelne, mehrere parallele
Produkte sowie Mischungen anwendbar.
Die Genauigkeit der Resultate wird anhand eines Vergleiches mit der Literatur,
der Reaktionsnetzwerkflussanalyse und einer konzeptionellen Designstudie analysiert.
Für eine komplexe Studie zur Produktion von Kraftstoffen aus Biomasse, wird die
Anwendbarkeit demonstriert. Dabei ist die Produktion von Ethanol am vielversprechendsten,
gefolgt von iso-Butanol. Eine profitable Produktion, insbesondere unter
Berücksichtigung des Biomassetransports, ist nicht möglich. Diese wird nur durch eine
Ko-Produkten von Chemikalien erzielt. Schlüsselfaktoren zur Entwicklung effizienter
Bioraffinerien werden daraus abgeleitet. Dafür wird insbesondere das aktuelle sowie
das theoretische Potential selektiver biotechnologischer Konversionen diskutiert.
Kirsten Skiborowski
Biorefineries PNFA RNFA biomass biotechnology