Die Bundesregierung hat klare Ziele zur Reduktion der Treibhausgase bezogen auf den Zeitraum
von 1990 bis zum Jahr 2020 um 40 %, bis zum Jahr 2030 um 55 %, bis zum Jahr 2040
um 70 % und bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 %, gesetzt. Diese sollen unter anderem
dadurch erreicht werden, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch
bis zum Jahr 2050 auf mindestens 80 % steigt. Für Deutschland sind die fluktuierenden
erneuerbaren Energien (FEE) Photovoltaik, Onshore-Windenergie und Offshore-
Windenergie aufgrund ihrer großen Potentiale von besonderer Bedeutung und werden daher
den zukünftigen Stromsektor dominieren. Dabei führen die FEE zu signifikanten positiven
und negativen Residuallasten, wobei die negativen Residuallasten – Überschussleistung –
beispielsweise in der Mobilität genutzt werden können. Dabei bietet sich aufgrund der Speicherfähigkeit
von Wasserstoff der sogenannte Power-to-Gas Pfad an. Bei diesem werden
mittels negativer Residuallasten aus Wasser per Elektrolyse Wasserstoff und Sauerstoff hergestellt.
Der so erzeugte Wasserstoff kann anschließend zum Beispiel im Verkehr durch
Brennstoffzellenfahrzeuge genutzt werden.
Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, potentielle Marktdesigns zu identifizieren und zu konzipieren,
die durch einen hohen Anteil FEE und die Nutzung des Wasserstoffs im Verkehrssektor
gekennzeichnet sind. Weiterhin soll ein Modell entwickelt werden, welches den Stromund
Gassektor, inklusive einer Wasserstoffpipeline, abbildet und dementsprechend die Analyse
und Bewertung der ausgewählten Marktdesigns im Modell ermöglicht. Um dies zu erreichen,
werden in einer Umfeldanalyse die potentiellen Strom- und Gasmärkte sowie die wichtigsten
Share- und Stakeholder einer Wasserstoffinfrastruktur beschrieben und analysiert.
Ferner wird ein Modell erstellt, welches den deutschen Strom- und Gassektor abbildet. Mit
diesem wird anschließend ein vorhandenes Energiekonzept weiterentwickelt, analysiert und
bewertet. Zum Schluss werden mittels einer Monte-Carlo-Simulation die Wahrscheinlichkeitsverteilungen
der Wasserstoffgestehungskosten berechnet.
Das weiterentwickelte Energiekonzept wird mit 170 GW Onshore- und 60 GW Offshore-
Leistung stark von der Windenergie dominiert. Dies führt dazu, dass insbesondere in den
Bundesländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hohe
negative Residuallasten zu finden sind. Zur Versorgung des Peak-Wasserstoffverbrauchs in
dem Jahr 2052 mit 2,93 Mio. t werden insgesamt 28 GW an Elektrolyseleistung in 15 Landkreisen
benötigt. Die für den Transport von diesen Quellen zu den 9.968 Tankstellen benötigte
Transmissionspipeline hat eine Länge von 12.104 km bei Kosten von im Mittel
6,68 Mrd. € und eine Distributionspipeline mit einer Länge von 29.671 km bei Kosten von im
Mittel 12 Mrd. €.
Weiterhin wird in drei untersuchten Fällen, welche sich aufgrund ihrer Inputparameter unterscheiden,
die Wirtschaftlichkeit eines Strom- und Gasmarktdesigns zur Versorgung des
deutschen Straßenverkehrs mit Wasserstoff nachgewiesen. Auch die Monte-Carlo-
Simulation bestätigt dieses Ergebnis. Wird von anlegbaren Vor-Steuer-Kosten von
22,9 ct/kWh ausgegangen, liegen die Vor-Steuer-Wasserstoffgestehungskosten inklusive
Infrastruktur mit einer Wahrscheinlichkeit von 81 % unter diesen.
Martin Robinius
Marktdesign Strassenverkehr Wasserstoff