Sauerstofftransportmembranen (OTMs) stellen eine vielversprechende Alternative zu energieintensiven
Prozessen wie z.B. der kryogenen Luftzerlegung zur Sauerstofferzeugung dar.
Hierbei sind vor allem keramische, mischleitende Membranen mit sowohl elektronischer als
auch ionischer Leitfähigkeit (MIEC) von Interesse. Diese transportieren bei hohen Temperaturen
und Partialdruckgradienten Sauerstoff über Leerstellen durch das Kristallgitter, was
ohne Leckagen zu einer hundertprozentigen Selektivität führt. Als Membranmaterial werden
aufgrund der hohen Leitfähigkeit meist Perowskite verwendet. Hierbei zeigt das auch in dieser
Arbeit verwendete Perowskit Ba0,5Sr0,5Co0,8Fe0,2O3-s (BSCF) die bisher höchste Sauerstoffpermeation.
In Bezug auf eine technische Umsetzung existieren verschiedene Designund
Betriebskonzepte, wobei der Sauerstofftransport je nach Bauweise durch eine Vielzahl
verschiedener Mechanismen bestimmt wird.
Ein Teil dieser Arbeit befasst sich mit der Modellierung des Sauerstofftransports durch eine
geträgerte Membran. Hierbei werden Ansätze für einzelne Transportmechanismen wie Festkörperdiffusion,
Oberflächenaustausch sowie der Transport in der Gasphase und dem Träger
zu einem Gesamtmodell kombiniert. In Bezug auf den Oberflächenaustausch wird ein
Korrekturfaktor eingeführt, welcher die reale Topographie der Membranoberflächen berücksichtigt.
Die Verifizierung dieses Ansatzes erfolgte durch Permeationsmessungen von geträgerten
Proben verschiedener Membranschichtdicken (8 - 400 µm) und zeigt eine gute Übereinstimmung.
Die hierbei zur Modellierung notwendigen charakteristischen Kennwerte (Porosität,
Tortuosität, spez. Oberfläche) wurden mittels Röntgencomputertomographie bestimmt.
Insgesamt ermöglicht das Gesamtmodell die Beschreibung experimenteller Ergebnisse
mit einer Abweichung von nur 7%.
Ein weiterer Schwerpunkt dieser Arbeit ist die Entwicklung und Erprobung eines vollständig
keramischen Membranmoduls. Die Herstellung planarer Verbunde (Ø 20 mm) bestehend
aus Membran- (ca. 25 µm dick) und Trägerschicht (ca. 1,4 mm) erfolgt mittels sequentiellem
Folienguss und Lamination. Eine Anpassung der Sinterung ermöglicht auch die Fertigung
von Proben mit einer Fläche von 110 x 110 cm² und bestätigt so die Skalierbarkeit des Verfahrens.
Die Abdichtung der Verbund-Umfangsseite erfolgte durch Auftragung einer keramischen
Randschicht. Die hierzu entwickelte BSCF-Paste wurde hinsichtlich maximaler Gründichte
optimiert, was nach der Sinterung zu einer gasdichten, rissfreien Schicht mit geringer
Porosität (ca. 5%) führt. Die gasdichte Fügung zwischen Rohr und Verbund wurde mittels
Garnieren und Sintern unter Belastung erreicht. Als Fügematerial wurde eine foliengegossene
Membranfolie (Gründicke ca. 60 µm) verwendet, was zu einer hohen mechanischen Stabilität
und Dichtigkeit der Anbindung führt. Die Messung der Sauerstoffpermeation eines derartigen
Membranmoduls im 3-End Betrieb unter variierten Bedingungen wurde mit Referenzproben
verglichen. Hierbei sind die Ergebnisse der Modul- und Referenzproben sowie des
aufgestellten Modells konsistent. Der viskose Gastransport im Träger wurde als limitierender
Faktor identifiziert. Zukünftige Forschung und Entwicklung muss sich daher zunächst auf die
Optimierung der Trägermikrostruktur konzentrieren.
Patrick Niehoff
OTM Sauerstofferzeugung kryogene Luftzerlegung