Analoge Kleinstadtträume stehen für all jene unbeirrt Kulturschaffenden und politisch Engagierten im Hinterland unserer Republik. Abseits vom aufkeimenden Neoliberalismus und dem Rückzug ins Private findet eine westfälische Provinz-Szene nach Ende aller Utopien Alternativen, um dem täglichen Kleinstadtblues zu entfliehen. In der atomaren Ära des kalten Kriegs experimentieren, zelebrieren und demonstrieren Studenten wie junge Landwirte, Krankenpfleger und Kneipenwirte frei nach Joseph Beuys´ Maxime Jeder Mensch ist ein Künstler. Als Musik noch physisches Gewicht hat, sucht Reggie in progressiven Radiosendungen und Tanzkaschemmen, in Wohngemeinschaften sowie in der politischen Arbeit nach Gegenentwürfen tradierter Lebensvorstellungen, um schließlich in der Bildenden Kunst und als DJ seine Erfüllung zu finden.
„Analoge Kleinstadtträume“ sind Tom Smiths ganz persönliche Reise durch die Geschichte der Popmusik. Anhand ausgewählter Meilensteine des Pop und Rock lässt der Hamburger DJ ein spannendes, buntes Leben Revue passieren. Jeder Song steht stellvertretend für eine Schlüsselepisode: eine bemerkenswerte Bandbreite von Chris Howland und Peggy March über Rod Steward oder David Bowie bis zu Grace Johns und Udo Lindenberg.
Am Anfang steht der jugendliche Wunsch, eines Tages große Kunst zu produzieren, etwas wirklich Kreatives auf die Beine zu stellen, um dem drohenden Kleinstadt-Blues zu entfliehen. Über Dorfleben und Schule, Studium und Referendariat spannt er den Bogen zur gleichzeitigen Popmusik bis zu seinen Anfängen als DJ und dem Umzug nach Hamburg.
Dazwischen liegen aufregende Kapitel zwischen Selbstfindung und -auflösung, vom Rock der 70er über Goa-Partys bis zu den Safer Rooms der Schwulen- und Lesbenbewegung, immer auch als politische Statements.
Seine unwillkürlich scheinenden Erinnerungen, die Smith beim Hören der Songs geradezu überfluten, ziehen den Lesenden genauso in ihren Bann, wie eine Melodie, die man nicht mehr vergisst. Er finden dafür seine ganz eigene Sprache, und auch die verändert sich: Sie wechselt mit dem Alter des Protagonisten von Jugendsprache zum Jargon alternativer Szenen, in denen Smith sich bewegt.
Bei allem Bezug zur Musik ist die Geschichte zugleich ein Entwicklungsroman: Im Zentrum steht ein Vater-Sohn-Konflikt, stellvertretend für den Generationskonflikt der Boomer-Jahrgänge. So verschmelzen in der Person Tom Smith Familien- und Zeitgeschichte, zwischen Nachkriegs-BRD, Deutschland im Herbst, atomarer Bedrohung, politischem Widerstand und alternativen Subkulturen zu einem sprachlich schillernden, phantasievollen Zeitdokument.
Sein persönliches Fazit nimmt Tom Smith schon am Anfang vorweg: „So ist das mit den Liedern: Sie spielen mit dir. Also bildet euch bloß nicht ein, ihr bestimmt die Musik!“
Musikalische Zeitreise durch die Nachkriegszeit bis in die 80er - perfekt für Musik- und Popkulturnostalgiker*innen.
Authentische Verschmelzung von Popmusik, Zeitgeschichte und persönlicher Identitätssuche einer multikulturell geprägten Generation.
Fesselnde Darstellung des Aufwachsens zwischen britischen, spanischen und deutschen Kultureinflüssen in der westdeutschen Provinz.
Für alle, die verstehen wollen, wie Musik und Popkultur ganze Generationen geprägt und gesellschaftlichen Wandel angestoßen haben.
Kulturgeschichte der Bundesrepublik durch die Augen eines scharfsinnigen Beobachters, der Subkulturen und Mainstream verbindet.
Jedes Kapitel verknüpft einen Song mit einem prägenden Lebensereignis - ein literarischer Soundtrack der Nachkriegsgenerationen.
Ideal für Leser*innen 45+, die ihre eigene Jugend reflektieren und in einem größeren kulturellen Kontext verstehen wollen.
Treffende Balance zwischen persönlicher Nostalgie, gesellschaftlicher Analyse und humorvoller Selbstironie.
Tom Smith
Tom Smith wurde 1959 als Sohn einer Spanierin und eines im Nazideutschland aufwachsenden Halbengländers im westfälischen Soest geboren. In Köln und Münster studierte er Freie Kunst, Kunstpädagogik und Deutsch. Nach dem 2. Staatsexamen zog er nach Hamburg, arbeitete jahrzehntelang als DJ in renommierten Clubs auf St. Pauli und wird bis heute im In- und Ausland gebucht. Er produzierte lateinamerikanische Musik, präsentierte bis Ende der 90er eigene Malerei, Installationen und künstlerische Performance. Seit der Corona-Pandemie betätigt er sich als Schriftsteller.
Smith lebt in Hamburg.
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