Das Ziel der vorliegenden Studie war eine Bestandsaufnahme von Biotoptypen,
Vegetation und ausgewählten Tiergruppen an den drei Verkehrsträgern Straße,
Schiene und Wasserstraße. Es sollte eine Grundlage geschaffen werden für i) die
Optimierung von Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität, ii) eine
verkehrsträgerübergreifende Verbesserung der ökologischen Vernetzung an bzw.
von Verkehrswegen und iii) die gezielte und kosteneffektive Kontrolle von Neobiota.
Das Untersuchungsgebiet befand sich im Westen von Berlin. Es war von der Nähe
zum Verdichtungsraum Berlin und den vorherrschenden Sandböden geprägt,
weshalb forstwirtschaftliche und Siedlungsnutzungen dominierten.
Die Biotopkartierung bestätigte, dass nahezu die Hälfte des Untersuchungsraums von
befestigten Flächen und Siedlungsraum eingenommen wird. Ein weiteres Drittel
bildeten Wälder. Aufgrund des Flusses Havel und in Verbindung stehenden Seen
nahmen Gewässer einen vergleichsweise hohen Anteil von 8,2 % ein. Dies spiegelt
sich auch in der hohen Verbreitung von Feuchtlebensräumen und deren hoher
Konnektivität wider. Die Verkehrsnebenflächen von Schienenwegen - und zu
geringerem Umfang auch Straßen – trugen zu einer Verbesserung der räumlichen
Kontinuität von offenen Trockenlebensräumen bei, aber nicht von
Gehölzlebensräumen. Gefährdete Biotoptypen nahmen auf Verkehrsnebenflächen
hohe Anteile ein (65 % an Schienenwegen, 31 % Wasserstraßen), waren allerdings
schwerpunktmäßig außerhalb von Verkehrsnebenflächen zu finden. Es handelte sich
an Schienenwegen und Straßen v.a. um Ruderalstandorte und Sandtrockenrasen, an
Wasserstraßen um Ufersäume. Im Hinblick auf die ökologische Wertigkeit und das
Auftreten von Störungen unterschieden sich die Verkehrsnebenflächen nicht von
Referenzflächen, auch wenn Müllvorkommen stellenweise vor allem in räumlicher
Nähe zu Straßen zu finden waren. Eine besondere Bedeutung von Verkehrswegen
für das Vorkommen und die Ausbreitung von Neophyten wurde auf Ebene der
Biotoptypen nicht bestätigt.
Die Vegetationsaufnahmen zeigten entsprechend der naturräumlichen Ausstattung
ein weites Spektrum an Vegetationseinheiten sowohl trockener, frischer als auch
feuchter Ausprägungen. Aufgrund der Beimischung ruderaler Arten waren die
Artenzahlen auf Verkehrsnebenflächen tendenziell höher als auf Flächen außerhalb
davon. Regional seltene Arten wurden im Berliner Projektgebiet v.a. auf Magerrasen
außerhalb von Verkehrsnebenflächen beobachtet. Auf Verkehrsnebenflächen kamen
diese Arten v.a. in intensiv gepflegten Bereichen vor, was auf den Nährstoffentzug
oder auf besondere Standorteigenschaften zurückgeführt werden kann. Extensiv
gepflegte Bereiche zeigten eine größere Vielfalt an Vegetationstypen als intensiv
gepflegte.
Neophyten fanden sich vor allem auf frischen Standorten, wo schnellwüchsige Arten
gute Bedingungen vorfinden. Während nhytischeeop Gehölze, wie Eschen-Ahorn und
Robinie, häufiger auf Verkehrsnebenflächen vorkamen, zeigten andere Arten, wie die
Goldrute, höhere Deckungen auf Flächen außerhalb. Diese Beobachtungen
unterstreichen, dass lokale Standortbedingungen und Pflege artspezifisch das
Vorkommen von Neophyten beeinflussen. Entsprechend besaßen Magerwiesen
höhere Anteile Neophyten im intensiv gepflegten Bereich, Goldruten zeigten im
extensiv gepflegten Bereich höhere Deckungen.
Bei den faunistischen Untersuchungen stachen die Wasserstraßen mit anderen
Artengemeinschaften und höheren Artenzahlen v.a. bei Vögeln und Laufkäfern
hervor. Ursächlich ist vermutlich die besondere Lebensraumqualität durch die Lage
der Untersuchungsflächen an der Havel mit begleitenden Feuchtlebensräumen. Die
Artengemeinschaften der Vögel, Spinnen- und Laufkäfer an Schienen und Straßen
ähnelten sich dagegen. Es überwogen Arten mit generalistischen
Lebensraumansprüchen. Die Verkehrswege hoben sich im Vergleich zu
entsprechenden Referenzflächen nicht durch reduzierte Artenzahlen oder
Abundanzen ab. Nur bei einzelnen Vogelarten zeichneten sich an stark befahrenen
Straßen reduzierte Revierdichten ab. Die Zauneidechse profitierte dagegen von den
Nebenflächen an Schiene und Straße.
Zusammenfassend geben die Ergebnisse der vorliegenden Studie keine Hinweise
darauf, dass Verkehrsnebenflächen nicht ökologisch entwickelt werden sollten. Es
konnten keine Belege für eine generell höhere oder reduzierte Diversität der
untersuchten Artgruppen erbracht werden. Einzelarten können aber von
verkehrlichen Wirkungen sowohl positiv als auch negativ beeinflusst werden. Dies gilt
auch für einzelne Neophytenarten, aber nicht für Neophyten im Allgemeinen. In der
Zusammenschau mit anderen Studien wurde deutlich, dass das Potenzial von
Verkehrsnebenflächen für die Biodiversität stark davon beeinflusst ist, wie deutlich
ihre standörtlichen Eigenschaften und Biotopausstattung von denen der Umgebung
abweichen. V.a. wenn die an Verkehrswegen vorkommenden Lebensräume in der
umgebenden Landschaft rar sind, können Verkehrsnebenflächen einen hohen
Beitrag leisten.
Dieser Bericht liegt nur in digitaler Form vor und kann unter https://bast.opus.hbz-nrw.de heruntergeladen werden.
Andrea Schleicher
BASt Verkehrstechnik Neophytenarten Verkehrsnebenflächen Lebensräume Biotopausstattung Feuchtlebensräume Standortbedingungen nhytischeeop Gehölze