Ziel des Forschungsvorhabens „Wirkung von Behandlungsanlagen der Straßenentwässerung im
Hinblick auf AFS63“ (FE 05.0193/2016/GRB) ist die Ermittlung der AFS63 Jahresfrachten und
die AFS63 Rückhalteleistung von Regenwasserbehandlungsanlagen an Bundesfernstraßen.
Die Untersuchung erfolgte mit der Sedimentdepot- Methode, bei der die zurückgehaltenen
Sedimentmengen in den einzelnen Anlagenteilen erfasst wurde. Die Bestimmung der AFS63
Fracht in den Sedimentationsanlagen erfolgte über die Sedimentmessung und Beprobung der
zurückgehaltene Sedimentmenge in den Absetzanlagen. Die Erfassung der ausgetragenen
Sedimente wird durch die Sedimentbeprobung der nachgeschalteten Anlagenstufe (RBF oder
Versickerungsanlage) gewährleistet.
Um Abschätzungen von potenziellen Fehlerquellen bei der Sedimentdepot-Methode treffen zu
können, wurden Plausibilitätsuntersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse der Plausibilitäts-
untersuchen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
• Durch die hohe Betriebszeit (2 – 39 Jahre, Median 10a) erlaubt die Depotmethode eine
ausreichend sichere Erfassung der AFS63-Fracht.
• Die sehr starke horizontale AFS63-Zonierung auf den Filterflächen kann durch eine
Teilflächenbeprobung repräsentativ erfasst werden. Die Teilflächen selbst sind
homogen, wie Vergleichsmessungen gezeigt haben.
Von den 115 ausgewerteten Anlagendaten wurden im Zeitraum Mai 2020 und April 2021
insgesamt 37 Anlagen bereist und 20 Anlagen vollständig über die Sedimentdepot- Methode
untersucht. Durch die große Zahl an Anlagen konnte eine Spannweite der AFS63-
Jahresfrachten ermittelt werden. Der Median der AFS63 Zulauffracht der untersuchten Anlagen
liegt bei 437 kg/ha/a, das obere Quartil bei 536 kg/ha/a. Unter Berücksichtigung der auf dem
Fließweg zur Behandlungsanlage zurückgehaltene AFS63 Fracht (Bankett-Mulden-
Entwässerung) ergeben sich spezifische AFS63 Frachten von 558 kg/ha/a (Median) bzw.
821 kg/ha/a (oberes Quartil).
Die Art der Entwässerung (Bordrinnen-Abläufe-Rohre bzw. Bankett-Böschung-Mulde) übt einen
deutlichen Einfluss auf die an einer zentralen Regenwasserbehandlungsanlage ankommenden
AFS63 Frachten aus. Werden größere Teile der Straßenflächen über Bankett-Böschung und
Mulden entwässert, sinkt die an der zentralen Behandlungsanlage ankommende AFS63 Fracht
deutlich. Betonschutzwände führen tendenziell zu einer Erhöhung der AFS63 Frachten, da
weniger in den Straßenseitenraum verdriftet wird. Bei allen anderen potenziellen Einflussgrößen
konnte kein deutlicher Zusammenhang hergestellt werden. Dies gilt auch für den
durchschnittlichen täglichen Verkehrsstärke (DTV). Hier überlagern sich die einzelnen Faktoren,
oder es sind zufällige nicht näher quantifizierbare Einflüsse, aufgrund derer keine eindeutige
Beziehung hergestellt werden kann.
Bei der Muldenentwässerung steht eine sehr hohe potenzielle Behandlungsfläche zur
Verfügung über die eine hohe und weitgehend vollständige Behandlung des Straßenabflusses
möglich ist. Eine nochmalige Behandlung des Muldenabflusses in einer zentralen Filteranlage
ist deshalb nicht notwendig. Zukünftig sollte bei der Dimensionierung von RBF die EZG Flächen
der Bankett-Mulden-Entwässerung unberücksichtigt bleiben.
Im Median sind in den Absetzanlagen 142 kg/ha/a AFS63 zurückgehalten worden. Die
prozentuale Rückhalteleistung bezogen auf die gesamte gemessene AFS63 Fracht im
Anlagenzulauf beträgt im Median 65 %. Wie erwartet zeigt sich eine Abhängigkeit zum
spezifischen Volumen. Absetzanlagen mit einem spezifischen Volumen von > 200 m³/ha
können AFS63-Rückhaltegrade von bis zu > 90 % erzielen. Bei spezifischen Volumen
≤ 40 m³/ha liegt der AFS63-Wirkungsgrad hingegen größtenteils bei ≤ 40 %.
Dieser Bericht liegt nur in digitaler Form vor und kann unter https://bast.opus.hbz-nrw.de/ heruntergeladen werden.
Johannes Rüter
Anlagenzulauf Entwässerung Verkehrstechnik Muldenentwässerung Rückhalteleistung Muldenabfluss BASt Straßenseitenraum Bordrinnen-Abläufe-Rohre