Gut erfunden ist halb erlebt: Ein literarisches Juwel, nach 30 Jahren neu aufgelegt
Unsere Heldin wächst im Burgund als Tochter einer (Ersatz-)Mutter und Krimi-Autorin auf, zieht mit der Familie aus dem Pferdestall ins Schloss, erlebt erste Jugendlieben und plündert im Zuge der Revolution 68 die örtliche Bäckerei, woraufhin sie in ein Mädchenpensionat verbannt wird. Die anschließende Flucht führt sie aus der französischen Provinz in das geteilte Berlin der Hausbesetzerzeit. Sie legt sich eine Punkfrisur und Rippenprellungen beim Pogo zu, wird Schlagzeugerin der Band »Die Bomben« und entkommt doch nie ganz der Provinz, wo ihre Grabsteininschrift schon auf ihr Ableben wartet: »Hier liegt sie, wo sie zu liegen pflegte, nur dass sie, solange sie lebte, den Po dazu bewegte.«
In ihrem Debütroman, vor 30 Jahren erstmals erschienen, erzählt die Stereo-Total-Sängerin Françoise Cactus in kurzen Kapiteln von dem Versuch, der ländlichen Ödnis zu entkommen und ein Leben zu entwerfen, das die Zwänge der Konvention durch lakonische (Selbst-)Ironie, Melancholie und Spott unterläuft. Cactus‘ Vexierspiel mit dem Genre der Autobiographie ist dank ihres unverwechselbaren Sprachwitzes längst zu einem Klassiker der Popliteratur geworden, der, lange vergriffen, nun endlich wieder in einer redigierten Fassung vorliegt.
Françoise Cactus
Françoise Cactus, eigentlich Françoise Van Hove, geboren 1964 im Burgund. Nach dem Studium in Besançon und Paris zog sie 1985 nach Berlin und gründete dort zunächst die Band Lolitas. Ab 1993 trat Françoise Cactus am Schlagzeug und als Sängerin mit ihrem Lebensgefährten Brezel Göring als Stereo Total auf – insgesamt über 15 reguläre Alben und zahllose Auftritte weltweit. Françoise Cactus arbeitete zudem als Layouterin bei der »taz«, als Radiomoderatorin bei »Radio Eins« und als Künstlerin. Im Alter von nur 56 Jahren starb Françoise Cactus 2021 an Krebs.
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