Journalisten, Menschenrechtler, Aktivisten von Kinderrechtsorganisationen berichten seit über 20 Jahren über schwerste Kinderarbeit in Steinbrüchen des globalen Südens. Zweifellos muss der Kampf gegen Kinderarbeit in den betroffenen Ländern fortgesetzt werden. Entsprechende Ansätze sind durch die internationale Entwicklungszusammenarbeit zu stärken. Aber was kann auf Seiten der Länder getan werden, die Natursteine importieren? Kann die Aufstellung von Grabsteinen, bei denen der Verdacht besteht, dass sie von Kinderhänden gefertigt wurden, verboten werden? Seit Jahren gibt es Versuche, dies in Deutschland durchzusetzen. Doch Verbote lokaler Friedhofsbetreiber wurden gerichtlich kassiert: Ohne gesetzliche Grundlage sind solche Maßnahmen nicht zulässig. Nun sind die Bundesländer in der Pflicht.
Deutschland importiert in großem Maße Natursteine aus Ländern, in denen ausbeuterische Kinderarbeit an der Tagesordnung ist, auch in Steinbrüchen. Ein Großteil der Grabsteine auf deutschen Friedhöfen wird aus diesen Natursteinen gefertigt. Kinderarbeit in der Natursteinindustrie ist ausbeuterisch, gesundheitsschädigend, lebensgefährlich; sie wird schon seit vielen Jahren von den Vereinten Nationen zu den besonders geächteten »schlimmsten Formen« von Kinderarbeit gezählt. Kleben also »Schweiß, Blut und Tränen« von Kindern an vielen Grabsteinen in Deutschland?
Walter Eberlei
Walter Eberlei, Prof. Dr., Politikwissenschaftler, Leiter der Forschungsstelle Entwicklungspolitik an der Hochschule Düsseldorf (HSD) seit 2005, davor wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Entwicklung und Frieden (INEF, 1999–2005) und Lehrbeauftragter an der University of Zambia in Lusaka/Sambia (2003/2004); 1992–1999 Referent und Referatsleiter bei der Kindernothilfe e.V., Duisburg; 2002–2012 (ehrenamtlicher) Sprecher des Wissenschaftlichen Beirats von terre des hommes Deutschland e.V.
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