Alles, worüber er im letzten Jahr nachgedacht hatte, kehrte zu ihm zurück. Sicher hatte er in diesen Monaten das eine oder andere Problem gehabt, aber auch Erfolge verzeichnet. Die Geschäfte liefen ganz ordentlich, in der Partei gewann er neue Verbündete. Seit die Kinder zum Studium ins Ausland gefahren waren, schien auch seine Frau gelassener zu werden, zudem hatte er seit einigen Monaten eine neue Geliebte, Felicia. Auch wenn er diesen Gang der Dinge herbeigewünscht hatte, waren es dennoch nicht die bedeutendsten Ereignisse gewesen. Das wichtigste Ereignis des vergangenen Jahres war ohne Frage dieses gewesen: die Vernichtung von 5,8 Kilometern Akten in der Stasi-Unterlagen-Behörde im Februar. An die 20 Millionen Seiten A4. Gelöscht. Nicht mehr existent. Unwiderruflich.
Noch einmal legte er sich in Gedanken den Satz zurecht: 5,8 km, also fast 6 km Akten der Stasi-Unterlagen-Behörde wurden vernichtet.
Der größte Erfolg seines Lebens, der klügste Schachzug überhaupt. Schach und Matt – keine Akten mehr. Würde auch für solche Rollen des Lebens ein Oscar verliehen, er hätte ihn in allen Kategorien bekommen: Produktion, Drehbuch, Regie und Hauptrolle.
Berlin. In einem Neuköllner Abbruchhaus wird eine grausam zugerichtete Leiche gefunden. Für Kommissar Kowalski ist sofort klar: Dieser Fall wird kompliziert. Als einflussreiche Politiker die Ermittlungen zu behindern versuchen, recherchiert er auf eigene Faust – und stößt auf eine düstere Geheimdienstaktion in Bulgarien, der zahlreiche Oppositionelle zum Opfer fielen. Die Fernsehjournalistin Dagmara Bosch, die als Kind aus Wrocław nach West-Berlin kam, erkennt eine Verbindung zu ihrer eigenen Vergangenheit: 1980 verlor sie ihren Vater, einen Solidarność-Aktivisten, bei einem mysteriösen »Unfall« in Bulgarien. Gemeinsam mit Kowalski begibt sie sich auf eine gefährliche Spurensuche.
Ein preisgekrönter Thriller über die langen Schatten der Geschichte – und ihre tödlichen Geheimnisse.
»Deutschpolnischeuropäisch – Die Identitäten der Magdalena Parys«
Ein mit dem Deutsch-Polnischer Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreis ausgezeichnetes 50-minütiges Feature von Malgorzata Zerwe, erschienen im Deutschlandfunk.
https://www.hoerspielundfeature.de/wendelaender-3-5-die-identitaeten-der-magdalena-parys-100.html
Magdalena Parys
Magdalena Parys wurde 1971 in Danzig geboren und lebt seit 1984 in West-Berlin. Sie studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin Polonistik und Erziehungswissenschaften. Ihre Romane über deutsche Nachkriegsgeschichte erreichen in Polen enorme Auflagen und Auszeichnungen. Ihr Debütroman, der faktengestützte Thriller Tunnel erschien in deutscher Übersetzung von Paulina Schulz 2014 im Prospero-Verlag. Der Magier, Auftakt ihrer Berlin-Trilogie, thematisiert Verquickungen der Geheimdienste und wurde 2015 mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet. Übersetzungen in 19 Sprachen folgten, u.a. ins Französische, Italienische und Spanische.
Ein besonderes Anliegen der Autorin, die sich bewusst zwischen der deutschen und der polnischen Kultur bewegt, sind gesellschaftspolitische Themen, zu denen sie u.a. für die polnischen Gazeta Wyborcza, die Stuttgarter Zeitung und die französische Marianne schreibt.
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»…ein großes emotionales Epos, das raussticht aus dem, was man unter Kriminalliteratur kennt. Ein breit aufgespanntes Panoptikum, eine mächtige europäische Geschichte die gleichzeitig aber auch tolle Unterhaltung zu bieten hat.« Ulrich Noller, WDR
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»Der Band ist nahezu grausam brisant. Und aktuell.« Sylvia Treudl, Buchkultur
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»Magdalena Parys gehört zu den herausragendsten Autoren der postkommunistischen Zeit...« Serge Raffy, L'Obs
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