Der Moderator der Sendung Leck-Tirol ist seit Jahren in Pension.
Jetzt wird auch sein ehemaliger Sender in den Ruhestand geschickt.
Moderator und Sender treffen sich auf der Kurzgeschichtenfrequenz Sudden fiction.
In den Alpen liegt es nahe, dass man das Bild vom Murmeltier vor sich herträgt, das einen jeden Tag fertig machen soll, noch ehe man aufgestanden ist.
So wird die Sendung Leck Tirol auch täglich mit dem Rammelgeräusch eines Karnikels eingeleitet. Die Signation überfällt die Alpenbewohner aus düsterem Morgengrauen heraus.
Mittlerweile versteht man unter Leck Tirol ein Lebensgefühl, das einem gigantischen Selfie mit der Apokalypse entspricht.
Die Höhlenzeichnungen sind seit Jahrtausenden das Verständigungsmittel der alpinen Bevölkerung. Hier kann mit einem einzigen Strich spontan ein komplizierter Sachverhalt geklärt werden.
Helmuth Schönauer, geb. 1953, lebt im Sendebereich von Leck Tirol in Innsbruck.
Helmuth Schönauer
Helmuth Schönauer (* 23. September 1953 in Innsbruck) ist Schriftsteller und Bibliothekar an der Universität Innsbruck. In seinen Romanen beschreibt er das Alltagsgeschehen skurriler Randfiguren auf dem Weg nach oben. Als beinahe lückenloser Rezensent der Tiroler Gegenwartsliteratur ist er Vertreter der „low lectured edition“. Im sechsbändigen Tagebuch eines Bibliothekars sind knapp 5000 Rezensionen aus den Jahren 1982–2018 zu einem durchgehenden Fließtext zusammengefasst, der chronologisch nach Erscheinungsweise der rezensierten Bücher geordnet ist. Dadurch ergibt sich eine zeitgenössische Geschichtsschreibung anhand von Lektüre. Schönauer ist Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung.