Sechs HipHop-Hörerinnen, die sich die meiste Zeit nur einig sind, dass sie sich uneinig sind, beschleicht zur gleichen Zeit der Verdacht, dass die HipHop-Rezeption immer noch an der eurozentristischen Seuche „Form über Inhalt“ krankt.Kontext wird ausgeblendet und Texte werden als autobiografische Tagebuchlyrik von Stigmatisierten interpretiert. Die Position – Autor_in, Beobachter_in, Kritiker_in, Komiker_in, Provokateur_in, Chronist_in, Historiker_in – wird den Rapper_innen verweigert.
Weil sie genug hatten von HipHop-Rezensionen, die geprägt sind von kolonialem Gestus und pauschalisierten Sexismus- und Gewalt-Vorwürfen, haben die Kolleginnen sich zusammengetan, um Woche für Woche einem sprachlichen Miniuniversum, einem HipHop-Track zu huldigen.
Sie versuchen zuzuhören, zu lesen und zu folgen: den Bildern und sprachlichen Figuren, den Analogien und Referenzen, den Wortspielen und historischen Fährten.
Sprechen wir über HipHop-Lyrics
Schon seit Jahren quält uns der Verdacht, dass die HipHop-Rezeption hierzulande immer noch an der paternalistischen Seuche "Form über Inhalt" leidet. Alles, was die MCs reimen, wird als eins zu eins biographisch und authentisch gelesen. Deshalb haben sich Dalia Ahmed, Natalie Brunner, Mahdi Rahimi, Stefan Trischler und Ole Weinreich zusammengetan und huldigen dem sprachlichen Miniuniversum eines HipHop Tracks: Den Bildern und sprachlichen Figuren, den Analogien und Referenzen, den Wortspielen und historischen Fährten. Weil gute HipHop-Lyrics tatsächlich auch als "Lyrik" gelesen werden können, und wir ihnen endlich den dafür zustehenden Respekt erweisen wollen. Das ist schon viel zu lange überfällig!
Der HipHop-Lesekreis wurde 2016 als beste Kurzsendung mit dem österreichischen Radiopreis der Erwachsenenbildung ausgezeichnet.
Dalia Ahmed
Dalia Ahmed wurde am 22. Dezember 1991 geboren. Seit 2016 arbeitet sie bei FM4 und bezieht allen professionellen, emotionalen und metaphysischen Lebensrat aus Kanye-
West-Lyrics.
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