„Wirklich, Michael“ sagte Walter, als Michael wieder einmal in seinem Cafe frühstückte, „Das stimmt sicher, die Zeit läuft gleich-zeitig ab, Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Aber ich gehe da noch einen Schritt weiter: Ich bin davon überzeugt, dass auch alle Orte im Universum an der selben Stelle sind. Es müsste also sehr einfach sein, sowohl von einer Zeit in die andere zu wechseln, als auch an jeden beliebigen Platz des Universums. Die Frage ist nur: wie?“
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Was hieß denn das eigentlich: Die Zeit vergeht? Die Zeit hatte doch weder Anfang noch Ende, wie konnte sie also vergehen? Wenn jemand keine Zeit hatte, wo war die Zeit hingekommen? Wenn er sie nicht hatte, wer hatte sie dann?
Hatte man überhaupt Zeit? Das klingt so besitzergreifend. Vermutlich besaß man die Zeit nicht, man konnte sich aber Zeit nehmen. Doch woher? Vielleicht die übriggebliebene Zeit von den Menschen, die keine hatten?
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Was ist denn eigentlich die Gegenwart? Das ist doch ein künstlicher Begriff! Die Gegenwart trennt die von der Zukunft – Also gab es die Gegenwart eigentlich nicht, denn in dem Moment war sie schon Vergangenheit. Allerdings: Wenn alle Zeiten gleichzeitig stattfanden, dann war jede Vergangenheit auch Gegenwart – genauso wie jede Zukunft. Vergangenheit und Zukunft vereinten sich also im Jetzt. Aber was war das Jetzt? Das, was an gerade erlebte? Konnte man denn nicht auch Vergangenheit und Zukunft gerade jetzt erleben, wenn doch alle Zeit Eins war?
Im Mittelpunkt der Zeit
sind die Grenzen zwischen gestern und morgen überwunden,
alles geschieht im Jetzt.
Worum geht es in diesem Buch? Maywald dazu: „Natürlich – wie schon der Titel sagt – um die Zeit, und damit auch um das Träumen. Das Buch spielt in verschiedenen Wiener Kaffeehäusern, in denen eine der Hauptfiguren des Romanes, Michael, nach und nach nicht nur am Thema Zeit Interesse findet, sondern auch lernt, im Wachtraum die Grenzen der Zeit und des Raumes mehr oder weniger zu überschreiten. Der Name der Hauptfigur ist nicht ganz zufällig ident mit der Hauptfigur meines ersten Romanes, „Der Zaunreiter“, offen bleibt aber, ob dieser Roman zeitlich vor oder nach dem Zaunreiter einzuordnen ist“
Es gibt allerdings noch zwei weitere Hauptfiguren, die Michael nie getroffen haben und – oberflächlich betrachtet – auch in keinem Zusammenhang zu ihm stehen. Die drei Figuren könnten verschiedener nicht sein: Michael, der etwas verschrobene Träumer, der in Wien in einem Hotel wohnt und in Kaffeehäusern lebt. Richard, Sohn von italienischen Eltern, die kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA eingewandert sind und in einer Kleinstadt einen Laden eröffnet haben, den Richard noch immer führt. Und Antonio, der eigentlich Tom heißt, zwar der Bruder Richards ist, diesen aber nie gesehen hat und nach einigen abenteuerlichen Jahren Konditor in New York geworden ist.
Wie auch bei seinem ersten Roman, werden nicht alle Geheimnisse aufgedeckt, und auch der aufmerksame Leser bekommt selbst am Ende nur Hinweise, allerdings sehr deutliche. Auf die Frage, warum seine Romane soviel Spielraum lassen, antwortet Maywald: „Ich möchte den Lesern Platz für ihre Fantasie lassen – und sie außerdem dazu anleiten, sehr genau zu lesen, möglichst auch zwischen den Zeilen.
Das Buch (196 Seiten, Paperback) ist ab sofort beim Verlag „Edition Zaunreiter“ edition@zaunreiter.at und in jeder Buchhandlung zum Preis von € 14,90 erhältlich. Mehr Informationen darüber finden Sie auf den Internetseiten des Verlages www.edition.zaunreiter.at.
Fritz Maywald
Kaffehaus New York Traum Wien Zeit