gestrige narrative. binäre konstrukte. deren ungebrochener wirkkraft nachspüren, entgegenwirken. invertierte klischees als mittel. gegengift. den krampf zu beenden.
männer in röcken. das ist doch keine revolution mehr.
Potenz, die (Substantiv, Femininum) – Herkunft aus potentialat ‘Vermögen, Kraft, Macht, Gewalt, Zeugungsfähigkeit’ < potēns ‘mächtig, vermögend, fähig, einflussreich, stark’ ↗ potent adj. ‘stark, mächtig, zeugungsfähig’.
Potenz als männlich konnotierter Begriff. Kraft, Macht, Gewalt, Stärke, Einfluss üben in der Regel Männer aus. Zeugungsfähigkeit als Schlüssel der Reproduktion, als Familien erschaffend, konstituierend, Geschlechter, Häuser, das Fortbestehen der Menschheit sichernd. Dazu Fähigkeit und Vermögen, das auch als finanzielles gelesen werden kann, die Männern zugesprochen werden, von Geburt an. Weil Mann ein Synonym für Mensch ist und Frau ein Synonym für Rippe.
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Wie die Schale aufbrechen? Die Nuss knacken? Ohne Angriff, ohne Ohrfeige, ohne Maulschelle. Gibt es da überhaupt eine Möglichkeit? – Humor als Weg. Lachen, das befreit, verwandelt, Perspektiven verschiebt, eine Distanz zu den eigenen Narrativen herstellt. Humor schenkt Abstand, der Neues ermöglicht, eigene Ansichten hinterfragt. Etwas weglachen, sich einen Weg lachen. Schmerz und Scherz. Liegen nah beieinander, können, und können sich guttun.
Ich habe versucht, einen Text zu schreiben, der eingefleischte Narrative humorvoll als selbstverschuldete Narrheiten enttarnt. Als Geschichten, die wir uns erzählen und die nicht auf einer mythischen, grundsätzlichen Wahrheit basieren. Sondern vielleicht auf nichts als kalkulierter Selbstbegrenzung. Die Grenzen aufhebeln. Das Hirn frei machen, neue Synapsen bilden, andere Bilder, Verständnisse von Welt kreieren – Anliegen des Texts. Wir sind alles, was wir uns erlauben zu sein. Etikette kommt von. Genau.
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Potenz möchte Linien verschieben, in Wellen verwandeln, auflösen. Der männlich-sexistische Blick wird invertiert. Und doch nicht. Weil er nicht existiert. Was dabei entsteht ist daher kein weiblich-sexistischer Blick, auch nicht ein weiblich-sexistischer Blick verstellt und voreingestellt durch einen männlich-sexistischen Blick, sondern ein Blick, der die Formen verflüssigt und ad absurdum führt. Konsequent invertiert werden Macht-Asymmetrie und Zuschreibungen überraschenderweise nicht zum Gegenteil, im Gegenteil, der Dualismus bröckelt, gerät ins Wanken, funktioniert nicht mehr.
Victoria Hohmann
Victoria Hohmann ist Autorin, Textkünstlerin, Herausgeberin. Sie studierte darstellende Kunst, Kunstgeschichte, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Germanistik, Archäologie. Seit 2017 Publikation von Texten. Ab 2019 Auftragstexte fürs Theater. Zuletzt erschienen: Der Frau - Texte, VHV-Verlag, Berlin, 2022; melt, in: X-Klimatexte, Anthologie, VHV-Verlag, Berlin, 2023.
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Bissig, kalauerisch, blumig, didaktisch, versiert Ignoranz und Arroganz imitierend, Kapriolen schlagend, überbordend, dann wieder süßlich salbungsvoll […], der Stil von Hohmanns Werk ist ein vielfältiges Dickicht, durch das man sich als Leser*in schlägt – auf der Suche nach einem Ausweg. Aber wo soll der sein, schließlich ist dieses Dickicht noch Bestandteil so vieler Köpfe, überwuchert noch immer unzählige Lebensläufe, umgibt als Hecke zentrale Einrichtungen der Gesellschaft?
Vielleicht können solche Texte wie der von Hohmann die Zähne einer zukünftigen Kettensäge sein. Man lese und werfe sie an!
Lyrikkritik, Timo Brandt, Lysterix
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Während Victoria Hohmann mit “Potenz” umgehend ein Atemstocken provoziert, dann fortwährend Narrative, die binären, strophend anzeigt, verkehrt. Diese Überzeugungen ohne ein Fünkchen Wahrheit, deren Existenz hunderte von Jahren an Missverständnissen und Trugschlüssen auf dem Buckel. Humor ein Ansatz im Bewältigen, überhaupt für Begreifen (…) Ein Aufbrechen des dualistischen Weltbildes (…)
Buchblog "noch ein buch"
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