Prämiert von der Stiftung Buchkunst 2024 als eines der 25 schönsten deutschen Bücher
Begründung der Jury:
Nicht alles, was blättert, ist ein Buch. Oder? Ein kleiner schwarzer Schuber versammelt einen Stapel gefalteter Papiere. Es sind knappe zwei Dutzend Din-A4-Blätter, im Kreuzbruch gefaltet, wie man es mit Liebesbriefen tat, als man noch welche schrieb. Ein Buchumschlag, hier in der Variante einer Banderole, schützt sie vor dem Herausrutschen.
Ein durch und durch romantisches Konzept reanimiert alte Fotografien, die anonym auf Flohmärkten im Dornröschenschlaf verharrten. Autorinnen und Autoren wurden eingeladen, eine verkümmerte Kulturtechnik wiederzubeleben – das Schreiben von Liebesbriefen. Ihre Fantasie versenken sie in ein vorgegebenes Foto und lassen sich inspirieren. Man hängt an den Dingen, aber umgekehrt hängen auch an jedem Artefakt Erinnerungen – besonders an Fotografien. Die Erinnerungen sind zwar verwaist, die Fotos aber werden wachgeküsst. Jedem neuen Brief in unprätentiöser Schreibmaschinenschrift ist das Bild lose eingesteckt. So finden beide als frische Bild-Text-Paare zueinander.
Die Briefe liegen als achtseitige Falzbögen aufeinander. Das sieht schon fast aus wie ein Buchblock. Auf eine herkömmliche Heftung im Bund wird verzichtet, die Briefe blieben ja sonst verschlossen. Und die Funktion des Zusammenhaltens übernimmt schließlich die Kombination aus Schuber und Banderole. Also doch ein Buch.
Helena Melikov
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