Minna ist 92 Jahre alt und weiß, was es heißt, allein zu sein. Seit geraumer Zeit kommen wechselnde Pfleger*innen in ihre überheizte Wohnung – und plötzlich steht da Moni. Direkt und empathisch geht sie auf die alte Dame zu. Leicht ist das nicht.
Zwischen norddeutscher Sachlichkeit und einer geteilten Vorliebe für Puffreis entspinnt sich die Geschichte zweier Frauen, die auf den ersten Blick wenig verbindet. Eine preisgekrönte Erzählung – feinfühlig, humorvoll und ein bisschen traurig.
Sie zeigt: Es ist nie zu spät für Veränderung.
Pflege ist mehr als eine Dienstleistung. Sie ist Nähe, Routine – und manchmal der einzige regelmäßige Sozialkontakt. Aber was bedeutet das für diejenigen, die auf Hilfe angewiesen sind? Und für jene, die pflegen?
Minna Großmeister hat sich ihr Leben lang allein zurechtgefunden. Doch ihr Körper zwingt sie in eine andere Realität: zittrige Hände, grauer Star, ständige Müdigkeit. Bei den Besuchen des ständig wechselnden Pflegepersonals zählt Minna die gesprochenen Worte. Mal sind es 51, dann 79, nie ist es ein Gespräch. Bis Moni auftaucht.
Moni hört zu. Moni fragt nach. Moni kauft die richtigen Kartoffeln. In eng getakteten Schichten, zwischen Resilienz und Resignation, wächst eine Verbindung, mit der in diesem System niemand rechnet.
Eine Erzählung über eigenwillige Einkaufslisten, intergenerationalen Austausch und Autonomie im Alter – und darüber, wie es ist, Hilfe nicht nur zu brauchen, sondern auch anzunehmen.
Hamburger Literaturpreis 2024, Literatur-Debüt. 80 Seiten, die bleiben.
Lara M. Gahlows Erzählung Vorwiegend festkochend erzählt vom Alltag einer 92-jährigen Frau und der Pflegerin, die zweimal die Woche klingelt. Was zwischen den beiden entsteht, ist mehr als eine unwahrscheinliche Freundschaft: Es ist eine präzise, humorvolle und zutiefst menschliche Bestandsaufnahme eines Pflegesystems, das alle im Stich lässt, die es trägt und die es brauchen.
Ein Debüt, das gesellschaftspolitisch relevant ist, ohne je den Ton der Betroffenheitsliteratur anzunehmen. Und ein Buch, das Leser*innen weinend, lachend und mit einer Packung Nippon in der Hand zurücklässt.
Erschienen im Ankerwechsel Verlag, Hamburg. Mit drei Kartoffelrezepten als Extra.
Lara M. Gahlow
Lara M. Gahlow ist freie Autorin, Lektorin und Kulturmanagerin. Sie hat Kulturwissenschaften in Bremen und den USA, Lüneburg und Litauen studiert. Sie arbeitet intersektional feministisch und setzt sich für Geschlechtergerechtigkeit im Kulturbetrieb ein. 2023 ging sie nach Wien, um an ihrem ersten Buch zu schreiben – und hat mit der dort entstandenen Erzählung Vorwiegend festkochend den Hamburger Literaturpreis gewonnen. Lara glaubt, dass das Leben die besten Geschichten bereithält, wenn man nur genau hinschaut. Und das tut sie.
Pflege Alter Kurzgeschichte Zwischenmenschliche Beziehungen Kartoffel Pflegepersonal Selbstbestimmung Gegenwartsliteratur Fürsorge Carework Carearbeit
„Lara M. Gahlow gelingt es, schwere Themen wie prekäre Arbeits- und Pflegebedingungen, die Würde im Alter und den intergenerationalen Austausch gekonnt mit einer emotionalen, persönlichen und berührenden Geschichte zu verbinden.“
– Aus der Laudatio von Tuana Atay, Buchbloggerin
„Gahlow nimmt dabei dem Thema Pflege die Schwere, die es sonst so oft belastet. Wirklich lesenswert.“
taz, kritisch gesehen: „Kartoffelfragen bringen Menschen zusammen“ (19.08.2025)