Mit “An das Monster“ erscheint der erste deutsch-arabische Band von Dima Albitar Kalaji. Der Band versammelt kürzeste Texte, die jede Seite mit der Spannung des Ungesagten füllen. Das Monster geistert in Form eines Dus durch die Zeilen und nimmt dabei unterschiedliche Formen an: Depression, Schlaflosigkeit, Patriarchat, Diskriminierung, Einsamkeit,
Liebe. Eine Liebe, die längst verflossen ist, sich aber nicht verflüchtigen will.
Die inneren Distanzen dieses störrischen Gefühls und die äußeren Distanzen eines Lebens in der Diaspora unterkellern jede Seite. Die wenigen Worte, die auf das Weiß des Papiers gesprenkelt sind, erscheinen wie Fußspuren im Schnee. Albitar Kalaji habe in Syrien gelernt, auf dünnem Eis zu laufen und dabei die Wahl gehabt, das Eis zu brechen oder
einzubrechen. Sie ist eine Meisterin des Bruchs geworden: Übrig bleibt, was trägt.
So weiß dieses Buch daherkommt, so dunkel ist es. Rauch und Schatten, Verlust und Auflösung durchziehen die Texte. Und doch schreibt hier eine Autorin, die der Dunkelheit neben erfüllender Mutterliebe ein unverbrüchliches Vertrauen in die Macht der Worte, Scharfsinn und Humor entgegensetzt. Wie das klingt? „Deutschland, Deutschland! Sägst mir die Nerven aufs Abendbrot.“
Annika Reich
Dima Albitar Kalaji
Dima Albitar Kalaji, geboren in Damaskus,Syrien, lebt seit Ende 2013 in Berlin. Sie studierte Kunst und Medien an der Universität Damaskus und macht gerade einen Master „Art in Context“ an der UdK Berlin.
Als Autorin und Kulturjournalistin veröffentlichte sie in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, u.a. in APuZ, der Zeitschrift der Bundeszentrale für politische Bildung, der FAZ, der Berliner Zeitung und als
regelmäßige Gastautorin der Kolumne „10nach8“ auf ZEIT Online. Ihre Texte wurden ins Englische, Italienische und Polnische übersetzt. Bis 2024 arbeitete sie als Kuratorin, Redakteurin und Autorin für „WeiterSchreiben“ und „WIR MACHEN DAS“. Als Co-Künstlerische Leitung verantwortete sie die Projekte „Mapping Berlin / Damascus“, „Geruch der Diktatur“, „Lebendiges Archiv“ und die „Weiter Schreiben Interventionen“. Darüber hinaus produzierte sie die Podcasts „Syrmania“ für
Deutschlandfunk Kultur sowie „(W)Ortwechsel“ mit rbbKultur. 2025 erhielt sie das Stipendium ALTROVE /AILLEURS /ANDERSWO des Cultural Ensemble in Palermo.