Die Weltgesundheitsorganisation definierte 1952 den Alkoholismus erstmals als Krankheit. Die KSZE wurde im Jahr 1973 in Helsinki eröffnet und 1975 mit der Unterzeichnung der Schlussakte beendet. In der DDR folgten mehr als zehn Jahre heftige, interne Auseinandersetzungen zwischen Kirche, Staat und Partei, die um die Bewertung der Suchterkrankung geführt wurden.
Mein Roman „Das letzte erste Glas“, so geht es aus Akten hervor, wurde drei Jahre nicht veröffentlicht. Der Kulturstreit um dieses Buch erreichte1985 seinen Höhepunkt. „Das letzte erste Glas“ wurde 1986 in Frankfurt/ Main zur Buchmesse vorgestellt.
Dieser Roman war ein wesentlicher Baustein zur Anerkennung der Suchterkrankung in breitesten Kreisen der Bevölkerung in der DDR. Bibliothekare, Buchhändler und kirchliche Gemeinden haben zweitausend Buchlesungen vor mehr als 86.000 Zuhörern unterstützt, 275.000 verkaufte Exemplare und tief geschätzt 1,2 Millionen Bibliotheks-Ausleihen sind ein beredtes Zeugnis dafür, wie groß in der Gesellschaft das Bedürfnis nach Aufklärung über Alkoholismus war. Der Berichtsroman „Ohne Scheu“ ist die logische Fortsetzung über ein Kapitel DDR-Geschichte, die nicht abgeschlossen werden darf.
Für mich war das ein grandioser Erfolg, der nicht nur vielen Menschen half, sondern auch mir selbst die Tür zur Literatur öffnete. Meine Zuhörer und Leser haben mich dankbar und glücklich gemacht. Ich lebe seit 40 Jahren enthaltsam.
Reinhardt Hahn
1947 geboren. 1986 einen Beststeller geschrieben: Das letzte erste Glas. 17 mal aufgelegt. 1,2 Millionen Leser. Es folgten "Noah 2" und "Ausgedient", danach zehn Kinderbücher mit einer Gesamtauflage von 800.000 Exemplaren. 1990 Gründung einer Firma. In der Cornelius GmbH gab Hahn 2200 Buchtitel heraus. 2015, mit 67 Jahren, schloss er den Verlag. In den letzten acht Jahren Titel jüngerer Autoren und acht eigene Titel, darunter "Der rote Affe auf dem Kilimandscharo" und die Tetralogie "Das gewöhnliche Bauwerk" Der Autor vertritt die Behauptungen: Niemand hat mir gesagt, wie ich leben soll. Sinnvoll ist nur ein Leben mit nüchternen Verstand. Poesie und Fantasie haben immer Recht. Die Zukunft ist die Wahrhaftigkeit, die Wirklichkeit ist jetzt und das Ding dazwischen, das ist die eine Wahrheit, die sich von allen anderen Wahrheiten unterscheidet, so viele, wie es Menschen gibt.
Ohne Scheu DDR 1985 Ministerium für Staatssicherheit Reinhardt O. Hahn