Brigitte ten Brink schreibt:
Foto-Haibun – was soll man sich darunter vorstellen? Steht der Text wie bei einem Foto-Haiku oder einem Haiga im Foto, im Bild? Mitnichten! Gabriele Hartmann erfindet eine neue Methode der Komposition und arrangiert Foto, Haibun und Haiku auf eine, auf ihre, ganz spezielle Art und Weise. Sie löst das Haiku aus dem Haiga und kombiniert das Bild und das extrahierte Haiku mit einem Haibun, welches bekanntlich aus einem kurzen Prosatext und einem Haiku besteht.
Diese drei Komponenten treten in eine wechselseitige Beziehung zueinander. Jedes lässt sich mit jedem kombinieren, kann jedoch auch eigenständig und für sich genommen bestehen.
Die Bilder, von Gabriele Hartmann verfremdete, in der Farbgebung stark reduzierte Fotos, befinden sich im Wechsel mal auf der linken, mal auf der rechten Buchseite. Auf der jeweils anderen Seite stehen die Texte. Als erstes das Haibun und am Ende dieser Seite das aus dem Bild gelöste Haiku, einmal auch ein Tanka.
Gabriele Hartmann
Gabriele Hartman lebt, schreibt, malt, fotografiert und verlegt im Westerwald.
Fotografie Haibun Haiku japanische Lyrik modern zeitgenössisch
Rüdiger Jung schreibt:
Das Heft (14,8 x 14,8 cm) mit seinen 28 Seiten, 12 Fotos, 12 Haibun ist ein Kleinod.
Abgesehen vom Rot des Titelfotos, das die Außen- (und jeweils spiegel-„verkehrt“ die angrenzenden Innen-) Seiten beherrscht und an Leben und Verletzlichkeit zugleich gemahnt, sind die fotografischen Arbeiten in Schwarzweiß wiedergegeben. Das Auge nimmt grazile Strukturen war, die einen Grundeindruck fragiler Schönheit, verletzlicher Kostbarkeit evozieren. Haiku nehmen dieses Grundempfinden auf
Endstation
der letzte Waggon
abgekoppelt
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Brigitte ten Brink schreibt:
Foto-Haibun – was soll man sich darunter vorstellen? Steht der Text wie bei einem Foto-Haiku oder einem Haiga im Foto, im Bild? Mitnichten! Gabriele Hartmann erfindet eine neue Methode der Komposition und arrangiert Foto, Haibun und Haiku auf eine, auf ihre, ganz spezielle Art und Weise. Sie löst das Haiku aus dem Haiga und kombiniert das Bild und das extrahierte Haiku mit einem Haibun, welches bekanntlich aus einem kurzen Prosatext und einem Haiku besteht.
Diese drei Komponenten treten in eine wechselseitige Beziehung zueinander. Jedes lässt sich mit jedem kombinieren, kann jedoch auch eigenständig und für sich genommen bestehen.
Die Bilder, von Gabriele Hartmann verfremdete, in der Farbgebung stark reduzierte Fotos, befinden sich im Wechsel mal auf der linken, mal auf der rechten Buchseite. Auf der jeweils anderen Seite stehen die Texte. Als erstes das Haibun und am Ende dieser Seite das aus dem Bild gelöste Haiku, einmal auch ein Tanka.
Es sind im Grunde alltägliche Geschichten, die Gabriele Hartmann auf ihre beeindruckende sprachliche Art erzählt. Es wird kein Wort zu viel gesagt. Es sind genau diese Worte, die es für diesen, von ihr eingefangenen Moment, braucht, damit sich die ganze Tragweite des Geschehens entwickeln kann.
stark
Die Tür steht offen. Im halbdunklen Flur schimmert ein gemaltes Schild: „Gemeinsam sind wir stark.“ Aus dem verwilderten Garten klingt Kinderlachen.
Hinter vorgehaltener Hand weiß einer: „Das Frauenhaus!“
zwölf Schläge
nah der Kirche
ein RKW
Mutters Gesangbuch abgegriffen das Hohe Lied der Liebe
Leise, zart und leicht, eben wie auf Zehenspitzen, kommt dieses Buch im ersten Moment des Blätterns und Anschauens daher, um dann beim Betrachten und Lesen eine Kraft zu entwickeln, die in den Bann zieht – magisch.
und immer
ist da (d)eine Hand
die (ver)führt
Mit diesem Haiku beschließt Gabriele Hartmann ihr Nachwort auf der letzten Seite des Buches.
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