Je suis mon passé. Ich bin meine Vergangenheit. Ich bestehe in und aus meiner Erinnerung. Für einen Historiker wie Landau war das eine banale, selbstverständliche Feststellung. Je suis mon passé: Ich bin, der ich geworden bin. Vergangenheit und Gegenwart sind nur durch einen Wimpernschlag getrennt. Jeden Moment kann die Vergangenheit in uns einbrechen und Vergessenes freilegen. Wir sind keine unbeschriebenen Blätter, keine geschichtslosen Projekte. Wir sind in Geschichte und Geschichten verstrickt. Wenn wir uns Geschichten erzählen, lernen wir, uns zu verstehen. Wir sind unsere Geschichten.Wir sprechen durch unsere Geschichten, weil sie unser Gedächtnis sind. Und am Ende verwehen unsere Geschichten wie wir selbst, es sei denn, sie werden aufgeschrieben und weitergegeben.
… so beginnt Matthias Zimmers „Morandus“
„Die Vergangenheit vergeht nicht. Sie bleibt des Menschen Wegbegleiter, manchmal auch sein Fluch.“ -
Das Fundament eines Lebens liegt in den Leben anderer wie ein Ziegel einer Mauer, niemals frei. Wer bin ich im Geflecht der Geschichten, ist die Frage, die dem Buch „Morandus“ von Matthias Zimmer vorangestellt ist.
Der Protagonist des Romans, der aus dem Vorharz stammende Bauunternehmer Ernst Funk, ist nach dem Krieg nach Kanada ausgewandert und hat dort eine Familie gegründet. Die Zeit der Jugend – die Erinnerungen an seine erste Liebe, an den Krieg – war begraben, er hatte sich in Kanada neu erfunden, eine makellose Existenz aufgebaut.
Doch eines Tages rührt sein Freund und langjähriger Gesprächspartner Landau an diesem Konstrukt, als er ihn im Zuge einer wissenschaftlichen Studie über deutsche Auswanderer befragt. So kommt etwas ans Licht, was längst der Vergessenheit anheimgefallen war, und der so gut befestigte Stein löst sich aus der Mauer, bringt etwas ins Rollen, das nicht nur das Leben von Funk von Grund auf ändern sollte. Als über 60-Jähriger reist er erstmals an die Orte eines Geschehens, das seit mehr als vierzig Jahren auf ihm lastet.
Matthias Zimmer
Matthias Zimmer war gebürtiger Marburger und wuchs an der Mittelmosel auf. Nach beruflichen Stationen in Bonn und dem kanadischen Edmonton lebte und arbeitete er mehr als 20 Jahre lang in Frankfurt am Main, unterrichtete an der Universität zu Köln und war von 2009 bis 2021 Mitglied im Deutschen Bundestag. Matthias Zimmer starb im Juli 2023 in Frankfurt am Main.
Auswanderer Lebenserinnerung Kanada Erinnerungen Nachkriegsdeutschland
"Zimmers Roman ist zugleich ein Streifzug durch die deutsche Geschichte während der Nazi-Diktatur, des Zweiten Weltkrieges und der Jahre der Nachkriegszeit, die Landau und Funk nach Kanada führten. „Das Geheimnis der Erlösung ist die Erinnerung“ heißt eine jüdische Weisheit. Dem Autor ist es gelungen, Leser für diese Reminiszenzen an den Tisch zu bitten." Dieter Weirich in rantlos
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„Lesenswert, originell und eine ungewöhnliche erzählerische Stimme aus dem ansonsten eher nüchternen, dem pragmatischen Alltag verhafteten Berliner Politikbetrieb.“ Martin Benninghoff, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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"Die Lektüre dieses Romans aus der Feder eines Abgeordnetenkollegen war für mich ein großes Vergnügen und ein großer Gewinn. Von Matthias Zimmers intellektuellem und sprachlichem Vermögen konnten wir uns ja alle in den vergangenen Jahren überzeugen – dieses literarische Werk hat noch einmal eine neue Dimension und Qualität. Ich wünsche dem Buch viele Leser und diesen ein großes Lesevergnügen!" Monika Grütters
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„Mit seinem Roman Morandus […] ist dem Autor Matthias Zimmer […] ein beeindruckendes erzählerisches Debüt gelungen. […] Morandus ist ein lebendig und stilistisch hervorragend geschriebener […] Roman, der sich leicht lesen lässt.“ Sigismund, Lesejury
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