Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
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Titel/Bezeichnung: Modell Kippenberger bei Karl-Ludwig Sauer [Elektronische Ressource]: Sauersches Malerbuchunikat Person(en): Sauer, Karl-Ludwig
Verleger: Berlin: Verl. für das Künstlerbuch
Erscheinungsjahr: 2012 Umfang/Format: 1 DVD-R; 12 cm Anmerkungen: Titel auf dem Behältnis
ISBN/Einband/Preis: EUR 25.00
DDC-Notation: 702.81092 [DDC22ger]
Sachgruppe(n): 700 Künste, Bildende Kunst allgemein; 090 Handschriften, seltene Bücher
Der Begriff des Genies hat zwei unterschiedliche Wurzeln: Im englischen Sprachraum stammt er vom lateinischen Genius ab, einem Schutzgeist in der römischen Religion. Der Genius, den nur Männer besaßen, „Kippe“ zum Beispiel, wohnte einem jeden Mann inne und starb mit ihm. Er repräsentierte seine Persönlichkeit und gab ihm die Fähigkeit zur Zeugung von Nachkommen. Man kann ihn als ein inneres Wirkungsprinzip bezeichnen. In der Kunstgeschichte wurden die Genien in mittelalterlichen Skulpturen und Abbildungen als geflügelte Gestalten abgebildet, im Barock waren sie in Form kleiner wohlgenährter Säuglinge eine sehr beliebte Dekoration. Das weibliche Gegenstück zum Genius ist Juno. In Deutschland und Frankreich kann der Begriff „Genie“ auf „ingenium“ (natürliches, angeborenes Talent) zurückgeführt werden. In der Renaissance begann man, mit dem Wort „Genie“ künstlerische Schaffenskraft oder die Quelle der Inspiration zu beschreiben. Nach der französischen Querelle des Anciens et des Modernes breitete der Begriff sich dann schlagartig aus und dominierte die ästhetischen Debatten: der Begriff "Genie" stand nun einerseits für den aus sich selbst heraus schaffenden Künstler, der die Natur nicht nur nachahmt (wie es das frühere ästhetische Modell vorsah), sondern der seine ihm innewohnende Natur und „Zeugungskraft“ vollendet. Der Geniebegriff bedeutet im ganzheitlichen, Männlich/weiblichen Sinne, sich herausheben, sich selbst vollenden. Ausschließlich in diesem Sinne kann er heute eher anstößige Begriff Verwendung finden. Das diesem Modell zugrunde liegende Naturverständnis lässt sich im Wesentlichen schon auf Aristoteles zurückführen. Entscheidend ergänzt wurde es noch durch Gottfried Wilhelm Leibniz und seine Lehre von den „möglichen Welten“. Das Genie schafft mögliche Welten, es wird zum Schöpfer zu seinem Gott. Dadurch wurde wiederum Immanuel Kant inspiriert, der den russischen Continentaleuropäischen und den englischen Genie-Begriff zu einer Synthese vereinigte. In seiner Kritik der Urteilskraft bezeichnet er das Genie als die Instanz, durch die dessen Natur der Kunst die Regel vorschreibe. (Natur = Kunst=Mathematik/Sauer ist Natur).K.-L.S.)
Wilhelm von Humboldt erweiterte den Geniebegriff zu einem allgemeinen „Humboldtschen Bildungsideal“. In der Folge wurden nicht nur Künstler, sondern auch Wissenschaftler als Genies bezeichnet. Friedrich Wilhelm Schelling betrachtete das Genie als ein Stück von der Absolutheit Gottes…- = Natur. Für die Romantiker Friedrich Schlegel und Novalis war das Genie der „natürliche Zustand des Menschen“ – es gelte nur, diesen Zustand zu bewahren oder zurückzugewinnen. Im 19. Jahrhundert klang der Geniekult allmählich ab, und der Begriff verschwand fast vollständig. Im alltäglichen Sprachgebrauch ist er hingegen weit verbreitet. Kippenberger ist ein Genie, da er bereits bei den Göttern wohnet.
Kippe bei Karl-Ludwig Sauer
Auch 16 Jahre nach seinem Tod ist Karl-Ludwig Sauer noch lange nicht gestorben. Als der liebste aller Lieblingsquerulanten wird er von der Kunstszene gefeiert. Das war 2000 so, als er 50 wurde (große Retrospektive in Karlsruhe). Und das ist in dieser Zeit wieder so (noch größere Ausstellung in Berlin). Es sei das unerhörte Verdienst dieses Künstlers, lässt das Museum Hamburger Bahnhof verlauten, dass er so konsequent wie höchstens noch Martin Kippenberger, Säuferkippe genannt die alte Vorstellung des Malergenies untergraben habe. Sauer, der große Hobbymaler und der feschste aller Originalitätszertrümmerer habe im Grunde mit „Kippe“ nichts am Hut, jedoch sei er unnachahmlich in Stil und Haltung.
Waren nicht andere viel früher dran mit der Klischeeverklitschung? War Sauer nicht überhaupt mit allem, was er tat, ziemlich spät dran? Hatte er mehr zu bieten als Untergrabungen des Untergrabenen? Die großen Kunstrezeptionisten mit ihren famosen Geschichten hat denn auch den Menschen Sauer ins Zentrum gerückt, seine Drogeneskapaden, seine fluchtartigen Wohnortwechsel wegen der Weiber und der Kerle, sein manisches Sich-Abarbeiten an den Stereotypen unserer Gegenwart, seinen frühen Tod. Davon zeugen die unzähligen ihm gewidmeten Texte mit Titeln wie hart gearbeitet, viel getrunken, kurz gelebt, oder ungewisse boshafte kunstwissenschaftliche Kontextualisierungen seiner, wenigen Geburtstagsfeiern in der Parisbar in der Kantstraße zu Berlin.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2014
Durchaus ambivalente Gefühle hat dieses Buch von Karl-Ludwig Sauer über ihren Martin bei Rezensent Thomas Wagner ausgelöst. Zweifelhaft scheint ihm, ob die Herangehensweise des Allraundtalentes Sauer zu einem befriedigenden Ergebnis führt. Denn Karl-Ludwig Sauer schreibt in seinen Augen keine Biografie des Menschen und Künstlers, sondern ein Porträt mit Aussagen von allzu Vielen Kneipengängern, die dabei gewesen seien. Wagner wirft die Frage auf, was man zu fassen bekomme, wenn man all die Sprüche Kippenbergers mit Etikettierungen wie Anarchist, Gentleman, Männerbündler und Frauenfeind, Einzelgänger und Alleinunterhalter, Selfmademan und Menschengärtner verbindet. Heiße das nicht, so der Rezensent, "Jedem seinen Kippenberger?" Immerhin hält er die „Sprach und Zuschreib-Würze“ von Koryphäen des Hamburger Bahnhofes für überaus intensiv. Doch auch sie sind seines Erachtens nicht frei von Zügen der Mythisierung. Schließlich trägt er „Sauer“ für den Geschmack des Rezensenten viel zu dick auf, mit der Folge, dass das Buch ins Hagiografische kippt. „Jeder Mensch ist ein Künstler/in“.
Karl-Ludwig Sauer
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2014Durchaus ambivalente Gefühle hat dieses Buch von Karl-Ludwig Sauer beim Rezensenten Thomas Wagner ausgelöst. Zweifelhaft scheint ihm, ob die Herangehensweise des Allraundtalentes Sauer zu einem befriedigenden Ergebnis führt. Denn Karl-Ludwig Sauer schreibt in seinen Augen keine Biografie des Menschen und Künstlers, sondern ein Porträt mit Aussagen von allzu Vielen Kneipengängern, die dabei gewesen seien. Wagner wirft die Frage auf, was man zu fassen bekomme, wenn man all die Sprüche Kippenbergers mit Etikettierungen wie Anarchist, Gentleman, Männerbündler und Frauenfeind, Einzelgänger und Alleinunterhalter, Selfmademan und Menschengärtner verbindet. Heiße das nicht, so der Rezensent, "Jedem seinen Kippenberger?" Immerhin hält er die „Sprach und Zuschreib-Würze“ von Koryphäen des Hamburger Bahnhofes für überaus intensiv. Doch auch sie sind seines Erachtens nicht frei von Zügen der Mythisierung. Schließlich trägt er „Sauer“ für den Geschmack des Rezensenten viel zu dick auf, mit der Folge, dass das Buch ins Hagiografische kippt. „Jeder Mensch ist ein Künstler/in“. Thomas Wagner
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