Das hier vorliegende Faksimile habe ich mit „geringen“ Zugaben zu einem Künstlerbuch gemacht. Die Künste einer Gesellschaft sind große Kunst, wenn große, integre Menschen/Künstler wie Albert Ballin am Ruder stehen. Ich habe mir erlaubt, neben 3 Gemälden, auch einen Vortrag mit einer Dauer von 40 Min. in den vorliegenden Band einzupflegen.
Persönliches.
Albert Ballins Lebenswerk im Rahmen dieses Bandes erschöpfend zu schildern, erschien dem Verfasser, je mehr er sich mit der Arbeit beschäftigte, desto mehr ausgeschlossen. 32 Jahre unablässiger, harter Arbeit, unterbrochen nur, wenn die Herrin Natur oder ganz gebieterisches ärztliches Gebot es befahlen, verbracht an der Spitze eines Unternehmens, das durch diese Arbeit zu einem der größten erwuchs, die die Wirtschaftsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte kennt, kann man überhaupt nicht auf dem Papier darstellen, es sei denn durch Ziffern, die aber nur der Kundige zu deuten weiß. Die Darstellung mußte sich darauf beschränken, das Bild des Mannes auf dem Hintergrund derjenigen Ereignisse hervortreten zu lassen, an denen er mitarbeitend, zumeist mitbestimmend mitgewirkt hat, seine Gestalt, sein Wesen und seine Bedeutung sollten darin erscheinen, wie ein Maler das Porträt seiner selbst im Spiegel sieht. Was der Spiegel nicht zeigt, ist die ungeheure Gedankenarbeit, die dem Porträt seinen Ausdruck gegeben hat. Dem Zuschauer erscheint das Produkt geschichtlichen Geschehens umso einfacher und begreiflicher, je vollkommener es sich darstellt. Was an Kraft und Kühnheit, an Wagemut und Verantwortungswillen zum Werden der Dinge beigetragen hat, erscheint im Gewordenen nicht mehr unmittelbar, sondern nur noch reflektiert, und nur der kann es ermessen, der das Werden selbst gesehen hat. Den Charakter des Schöpfers zu begreifen, seine Persönlichkeit zu erfassen oder gar dem Fremden verständlich wiederzugeben, ist noch schwieriger.
Einer genialen Persönlichkeit wie Albert Ballin wird man nur gerecht, wenn man trotz aller Vielseitigkeit ihrer Natur den Grundzug ihres Wesens erfaßt.
Wie in einem Brennpunkt vereinigen sich alle Strahlen seines Lebens zu dem Feuer, das all seinem Tun und Denken Licht. Wärme, Kraft spendet. Albert Ballin war der geborene kaufmann, in dem großen und edlen Sinne Schiller`schen Distichons, wonach an die Güter, die sein Schiff trägt, das Gute sich knüpft. „Sein Auge ward aufs hohe Meer gezogen“, Umgebung und Neigung führten ihn in die Schiffahrt. Wie er als Knabe am liebsten am Meer gespielt hatte, so wurden dem Jüngling und dem Manne die Meere dem Manne die Meere der Welt ein Tummelplatz. Hier war er zu Hause, hier fühlte er sich heimisch. Wie oft hat er versichert, die Schlaflosigkeit, die ihn auf dem Lande so oft und quälend heimsuchte, verlasse ihn, sowie er ein Schiff betrete, und wenn es ein elender „Appelkahn“ sei. Er war seefest, in jeder Hinsicht, körperlich und seelisch. So wurde er Reeder aus Beruf und als solcher einer der größten und genialsten Herrscher in der Weltschiffahrt.
Hier faßte er alle Probleme mit Kühnheit und zugleich gewissenhafter Vorsicht an. Nichts schien ihm zu groß, als daß sein Wagemut es nicht bewältigen konnte, nichts war ihm zu klein, als daß er es unbeachtet gelassen hätte. Was der geniale Blick des Unternehmers im Augenblick als richtig erkannte, was er im impulsiven Beschluß in die tat umsetzte, das prüfte sein ruheloser Geist in schlaflosen Stunden - wenn, wie er selbst einmal sagte, „alles so grau erscheint“ – unablässig und nach allen Richtungen. Dann setzte die verstandesmäßige Kritik ein und die Zweifel ob der eigenen Kühnheit, verschärft durch ein ungeheures Verantwortungsgefühl gegenüber seinem Unternehmen. Denn er war durch und durch der Mann der Hamburg – Amerika Linie geworden. Von seinem Eintritt in diese Gesellschaft an, dann als Direktor und Generaldirektor verwuchs er völlig mit ihr. Sie erfüllte sein ganzes Sinnen und Denken, er lebte ganz in ihr und für sie, stellte wie sich selbst auch ganz unwillkürlich alle Menschen und Ereignisse in ihren Bereich und Dienst. Ihre Entwicklung, ihr Gedeien, ihre Größe war sein eigenes Leben, mit ihrem Zusammenbruch endete auch das seine. Unermüdlich kreisten seine Gedanken um dieses Zentrum seines Daseins. Nur ihren Interessen war sein Interesse gewidmet, nur ihrem Dienst galt seine Arbeit, galt jede Tat und jedes Wort. Er ging so in ihr auf, daß er sich selber als sie empfand. Er war die Packetfahrt und die Packetfahrt war er. Liebe und Haß empfand er in erster Linie aus ihr heraus. Wer ihr gedient hatte oder ihm als Verkörperung der Gesellschaft, dem war er lebenslang ein dankbarer Freund. Dieses tief innerliche, unlösbare Verhältnis zu seiner Gesellschaft, die sein Lebenswerk, deren Größe seine Lebensaufgabe war, war die Eigenart und die Quelle seiner Subjektivität. Aber einer Subjektivität, die gepaart war mit dem denkbar stärksten Pflichtbewußtsein und durchdrungen von objektivster Auffassung von dem Wesen des vollkommensten Gebildes, das der Kapitalismus hervorgebracht hat, der Aktiengesellschaft. Ballin fühlte sich so sehr als Leiter einer Aktiengesellschaft, daß er überhaupt nur aus diesem Gefühl heraus begreifbar ist. Den besten Schlüssel für das Verständnis seiner, dem Fernstehenden sehr kompliziert erscheinenden, in Wirklichkeit ganz einheitlich und geschlossenen Persönlichkeit gibt ein gelegentliches Wort von ihm. Auf die Bemerkung eines Freundes, warum er eine eben ausgesprochene Kritik nicht in der Öffentlichkeit äußerte, sagte er: „Mein lieber Freund, Sie sind nicht Direktor einer Aktiengesellschaft“ Er wollte damit sagen, daß die Feindschaft, die er sich durch seine Kritik zugezogen hätte, auf sein Unternehmen abfärben würde, und daß er im Interesse dieses sich sich Beschränkungen auferlegen müsse, von denen ein Privatmann sich frei fühlen kann.
Dabei stellte er aber diese Aktiengesellschaft, deren Subventionierung aus öffentlichen Mitteln er immer wieder perhorreszierte, ganz in den Rahmen der nationalen Volkswirtschaft. Solche Riesenbetriebe wie die Hamburg - Amerika Linie sind, wie er oft betonte, nicht mehr Unternehmungen rein privatwirtschaftlicher Natur. Zu eng und zu tief sind sie verflochten, auf Gedeih und Verderb mit der gesamten Volkswirtschaft und durch sie mit der Weltwirtschaft. Von ihnen gehen durch die Aufträge für Bau und Ausrüstung der Schiffe und ihren Betrieb gewaltige Ströme aus und in hundert und aber hundert Gebiete der Industrie, des Handwerks, der Landwirtschaft, und sie tragen mit den deutschen Gütern und mit den dafür eingetauschten fremden Waren, nicht minder durch Hunderttausende von Passagieren uns Auswanderern den deutschen Namen und deutsche Ehre in alle Welt. Die Reichsflagge und die Hapagflagge verschmolzen so in ein einziges Symbol für Albert Ballin.
Als Leiter der größten deutschen Schiffahrtsgesellschaft und damit als einer der Führer der deutschen Volkswirtschaft war es selbstverständlich, daß er auch in die Politik hineingezogen wurde, die mit der wachsenden Bedeutung der ökonomischen Probleme immer mehr von diesen bestimmt wurde. Aus eigener Neigung hätte er sich schwerlich dem Handwerk eines Politikers zugewandt, dem Partei- und Fraktionstreiben hat er stets ferngestanden, war niemals eingeschriebenes Mitglied einer bestimmten Parte, hatte Freunde wohl in allen bürgerlichen Parteien, einer liberalen Weltanschauung zugewandt und freihändlerischen Grundsätzen getreu. Wo es um Fragen der Schiffahrt und des Handels ging, wußte er an den zuständigen Stellen nachdrücklich seine Ansichten und Wünsche zu vertreten. In eigentliche politische Angelegenheiten aber versuchte er mit seinem Einfluß nur einzugreifen, wenn sie weltpolitisch waren. Seine häufigen und ausgedehnten Reisen in den verschiedenen Ländern Europas, nach Nordamerika, nach Ostasien, hatte seinen Blick geschärft. Sein Beruf hatte ihn nicht nur mit den Leitern aller großen Schiffahrtsgesellschaften bekannt gemacht, sondern auch mit vielen Finanz - und Industriemagnaten der wirtschaftlich führenden Länder, insbesondere auch Englands und der Vereinigten Staaten. Unter den Größten stand er als Gleicher, und diese unbestrittene Autorität gewährte ihm wiederum Ansehen und Gewicht bei leitenden Staatsmännern und Parlamentariern. Und weil ihm die Lebensbedingungen anderer Nationen vertraut waren, vertrat er ebenso die Nationalen Rechte, wie er seine warnende Stimme vor Konflikten erhob, die ihm vermeidbar erschienen. Wer sich seiner Stärke bewußt ist, kennt auch seine Grenzen, und ein sich vertragen schien ihm wie im Geschäft so auch in der Politik geratener als ein Sichschlagen.
Aus: Bernhard Huldermann, Seite 379 – 384.
"Ein bewußtes Vollmitglied England, die Insel, ist wohl kaum ohne die USA zu haben; -.
"Mutter und Tochter", sind aus einem "Ei gepellt" und so extrem verflochten, daß ein Verbleiben in der Europäischen Union und Gemeinschaft auszuschließen ist".
Karl-Ludwig Sauer
Das vorliegende Künstlerbuch erscheint zeitgleich als Buchausgabe und auf CD-ROM.
Bernhard Huldermann
Ballin, Albert Biographien Europa Generaldirektor Geschichte - Militaria und Weltkriege HAPAG Künstlerbuch Reederei Sauer, Karl-Ludwig Verlag für das Künstlerbuch zu Berlin Vortrag Vortragskunst.eu Weltkunst Weltschiffahrt /Marine Weltwirtschaft