1989 ist dieses Buch zum ersten Mal als kleine Broschüre erschienen. Es berichtet über das Konzentrationslager, das im heutigen Gaggenauer Stadtteil Bad Rotenfels im September 1944 eingerichtet wurde. Im Zuge des Näherrückens der alliierten Streitkräfte sahen sich die Verantwortlichen des von den Nazis im Elsass errichteten „Sicherungslager Vorbruck“ bei Schirmeck im Elsass gezwungen, es nach Rotenfels östlich des Rheins zu verlagern. Dort befanden sich bereits bestehende Baracken des ehemaligen Militärlagers, im heutigen Kurgebiet.
Dieses Buch schildert, wie versucht wurde, den Widerstandswillen der größtenteils französischen Häftlinge, darunter viele Geistliche, zu brechen und zeigt, wie grausam Menschen zu Menschen sein können - auch in so „kleinen“ Lagern. Es berichtet zudem über den mutigen Einsatz vieler Gaggenauer und Rotenfelser Bürger, die sich trotz strengster Verbote für die Häftlinge eingesetzt und sie so gut wie möglich mit Nahrungsmitteln versorgt haben.
Die nun vorliegende Neuauflage wurde erweitert und mit Personen- und geografischem Register versehen. Auch ein Stadtplan mit Beschreibung ist nun enthalten, so dass der Leser selbst in einer alternativen Stadtführung „Auf den Spuren der NS-Geschichte“ in Gaggenau wandeln kann.
Allgemein verständlich geschrieben und zahlreich bebildert, richtet sich dieses Buch an alle, die an der jüngeren Geschichte Deutschlands interessiert sind, sowie für schulische Projekte, an Lehrer und Schüler, nicht nur im Rahmen des Geschichtsunterrichtes.
Die Autoren zur Neuauflage
Vor nunmehr 26 Jahren, 1989, erschien unsere Broschüre über das „Sicherungslager Rotenfels – ein Konzentrationslager in Deutschland“ dank der großzügigen Unterstützung des damaligen Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Nordbaden in Karlsruhe, Herrn Hans Clauser.
Zuvor begleitete die örtliche Tagespresse das Projekt „Sicherungslager Rotenfels“ und stellte Einzelergebnisse der breiten Öffentlichkeit vor. Damals galten die Autoren in weiten Kreisen noch als „Nestbeschmutzer“; doch dieser Blick hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Auf Antrag der SPD-Fraktion im Gemeinderat und mit Unterstützung der Stadt Gaggenau, insbesondere dem damaligenOberbürgermeister Dr. Thomas Schäuble, konnte im März 1985 eine Gedenktafel am Standort des ehemaligen „Sicherungslagers“ unter großer Beteiligung der Bürgerschaft, der Partnerstadt Annemasse und vieler ehemaliger Häftlinge im heutigen Kurgebiet eingeweiht werden. Auf Initiative der Stadt Gaggenau wurden wir für „bürgerschaftliches Engagement“ mit einer Urkunde des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.
Man erkannte in zunehmendem Maße den grenzüberschreitenden versöhnenden Aspekt, der in dieser Aufarbeitung der Vergangenheit zutage trat und sich verwirklichte. Zeigt er doch neben dem verbreiteten Mitläufertum während des „Dritten Reichs“ ebenso deutlich das unerschrockene Engagement für Mitmenschlichkeit und gelebte Nächstenliebe. Nur so konnte es in Bad Rotenfels gelingen, dass die Lagerinsassen vor dem sicheren Tode gerettet wurden. Es gab auch hier ein Netzwerk aufrechter Menschen, die sich nicht in ideologischen Rachegedanken bewegten. Darauf sind wir alle stolz und empfinden dieses vorbildliche Verhalten als Auftrag für die Zukunft.
Altbundespräsident Richard von Weizsäcker sagte in einer Rede am 8. Mai 1985 vor dem Deutschen Bundestag: „Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird.“ Es war genau dieser Gedanke, der uns von Beginn an motivierte, uns mit diesem Thema vor Ort zu beschäftigen.
Als die Broschüre erstmals gedruckt vorlag, schien uns die damalige Auflage von 2500 Exemplaren sehr hoch. Im Laufe der Jahre aber war das Buch vergriffen. Zwar gab es hin und wieder Nachfragen, aber eine Neuauflage schien nicht gerechtfertigt, vor allem in Hinsicht auf die Kosten.
Seit einiger Zeit hat sich die Situation jedoch geändert. Herr Pfarrer Jürgen Reuss, Vorsitzender des Fördervereins „Menschen für St. Laurentius“ der katholischen Kirche in Bad Rotenfels und Herr Roman Zitzelsberger und nach ihm Frau Claudia Peter als
1. Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, ermunterten uns, eine Neuauflage in Angriff zu nehmen. Als wir im BadnerBuch-Verlag in Rastatt einen Partner fanden, der uns beratend zur Seite stand und auf unsere Wünsche einging, entschlossen wir uns zu der Neuauflage.
Zu dieser Zeit lagen bereits einige interessante inhaltliche Ergänzungen vor. Herr Ulrich Behne, als engagierter Historiker und Autor bekannt, steuerte ein Kapitel über das Schicksal des jungen Sinto Anton Reinhardt bei. Er gestaltete die Kapitel „Das Leben im Konzentrationslager Rotenfels“ und „Die Gaggenauer waren uns nicht feindlich gesonnen„ um und erweiterte sie. Ergänzt wurde dieses Buch noch durch „Eine Geschichte am Rande“ - eine überraschende Begegnung mit einem Nachkommen eines amerikanischen Lagerhäftlings. Ferner wurde diese Schrift erweitert durch ein Personen- und Ortsregister, eine alternative Stadtführung „Auf den Spuren der NS-Geschichte in Gaggenau“ sowie durch 14 völlig neue und einige erneuerte Fotos. Nun lässt sich die Buchlektüre mit einer Erkundung vor Ort in einem Rundgang mit Stadtplan realisieren.
Herrn Landrat Jürgen Bäuerle und Herrn Oberbürgermeister Christoph Florus danken wir für die Unterstützung unseres Projektes. Herrn Kreisarchivar Martin Walter danken für die Aufnahme dieser Schrift in die Reihe „Sonderveröffentlichungen des Kreisarchivs Rastatt“.
Wir wünschen uns für diese erweiterte Auflage eine große Verbreitung in der Region und darüber hinaus, lässt sich doch in diesem vergleichsweise „begrenzten Fall“ zugleich das ganze mörderische System erkennen. Allen Interessierten, insbesondere den Lehrern und Schülern, empfehlen wir auch eine Fahrt ins benachbarte Elsass zum ehemaligen Standort des Lagers Schirmeck-La Broque (http://www.gedenkorte-europa.eu/content/list/111/). Von dort lohnt sich ein Besuch in der nahe gelegenen französischen nationalen Gedenkstätte KZ Natzweiler-Struthof (http://www.gedenkorte-europa.eu/content/list/106/).
Helmut Böttcher und Michael Weingardt
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Helmut Böttcher
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