Von den Beatles bis Taylor Swift feiert der Pop die Liebe als Instanz zur Erlangung existenziellen Glücks. Als Hegelsche »Kunst des Gemüts, die sich unmittelbar an das Gemüt selber wendet«, erscheint die Musik zudem als die für das Gefühl der Liebe prädestinierte Kunstform. Das Liebeslied ist somit kein bloßes Genre, sondern die ästhetische Form, in der das Subjekt seine in der Konkurrenzgesellschaft konstituierte Gefühlswelt verhandelt. Doch wo das im schönen Klang realisierte Kunstideal als die Einlösbarkeit des reell negierten Liebesideals aufgefasst wird, wird die Rezeption zur ästhetischen Täuschung.
Kenntnisreich untersucht Philipp Wulf die Genese des romantischen Liebesbegriffs, die Ästhetik von Pathos und Sentimentalität, Phänomene wie Guilty Pleasure oder das bewusste, distinguierte Konsumieren von Kitsch via Camp. Seine ideologiekritische Studie ist eine Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Voraussetzungen unseres Hörens und Empfindens – und zugleich eine implizite Liebeserklärung an die Kunstform des Popsongs.
Über die Kompensation gesellschaftlicher Zumutungen im Popsong
»Was also ist das eigentlich: das Liebeslied, das die Menschen immer wieder aufs Neue derart tief bewegt?«
Philipp Wulf
Philipp Wulf, geboren 1987, ist Professor für Kulturelle Bildung, Ästhetik und Medien mit dem Forschungsschwerpunkt Kultur und Ideologie. 2020 erschien seine Dissertation »Aber Tote weinen nicht«. Komisches Schreiben im Nachexil bei Alfred Polgar, Albert Drach und Georg Kreisler. Als Musiker ist er Schlagzeuger der Gruppe Messer. Er lebt in Hamburg.
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»Ich mache keinen Hehl daraus: Wir stehen uns sehr nahe (und ich habe durch ihn denken gelernt). Was mir seit zwanzig Jahren dabei immer wieder durch den Kopf geht: Warum schreibt er das nicht mal alles auf, damit nicht nur ich davon profitiere, was für ein gnadenloser, wacher Geist er ist. Nun ist es endlich da, Philipp J. Wulfs Buch über die Liebe und damit über so ziemlich alles!«
– Hendrik Otremba
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