Nackt ist die "brotlose" Kunst.
Fast alle in diesem Band versammelten bedeutenden Werke, aus verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte bis in unser Jahrhundert, in denen der Mensch nackt dargestellt ist, spielen und bedienen den "Topos" Weib. Die scheinbare Dialektik von Schönheit und Schrecklichkeit, vom Lustbild erotischer Erwartung, in der die so genannte Muse, mit mehr oder minder ausgefallenen Provokationen bis zur heiligen Jungfrau „vorgeführt“ wird.
Warum spielt die Nacktheit in der Kunst schon immer eine so zentrale Rolle? Die Frau, das Weib, Hure oder Heilige, Künstlermuse oder das Mutterbild, die Kurtisane, entstanden vielfach und dem Grunde nach aus männlicher Herrschergewalt. Kunstkritik und Mäzene, Künstler und Gesellschaft und nicht zuletzt die Kirche, wurden und werden, von Männern dominiert. Diese männlich konnotierte "Kultur/Natur", zeigt sich dergestalt auch in Werbung und Kunst, - im Bilde, Video, Performanz, usw. Das Weib ist aus dieser Sicht seit Jahrtausenden der „Büttel“ und Diener, einseitigen Sexismus bis in unsere Tage.
Adam und Eva, waren vor dem Sündenfall nackt.- „ohne Kultur“, alles wuchs, wie es wollte und starb gegebenenfalls.
Nacktheit in allen, mehr oder minder keuschen, verhaltenen Spielarten, kaschieren seit dieser Zeit die Gewalt des Eros, auch und vor allem, Gewalt gegen Frauen, gegen Kinder, generell gegen alles, was schwach und wehrlos ist. Spätestens seit den Hexenverbrennungen, sind auch die weiblichen Kosmen, Verfügungsmasse des Mannes. Daß Frauen in aller Regel den Namen des Mannes annehmen müssen/wollen, ist, nebenbei gesagt, ein Skandal. Diese "Grundwahrheiten" führen bis in unsere Tage, in der bösartige Vergewaltigung von Kindern, vor allem Mädchen, verharmlosend als Mißbrauch "propagiert" wird. "Kinder" aller Altersstufen lassen sich mißbrauchen, auch in der Ehe. Wo keine Anklage erfolgt, dort wird kein Richter/in Recht sprechen.
Allgemein ist zu sagen, daß der nackte Körper damals wie heute als Projektionsfläche von Lust oder Unlust, von Befriedigung oder einem Mangel an Befriedigung gebraucht oder mißbraucht werden kann. Die Mutterbrust, an der das Kind saugt, ist eine der wunderbaren (tierisch/kulturlosen) “Einrichtungen“.
Nicht nur bei Caravaggio, zeigt sich diese Doppelbödigkeit von Projektionen: manche sagen, er habe einen anzüglichen Knaben gemalt, interpretieren es als ein Lustbild für Päderasten, andererseits kann man in dem Bild auch die Melancholie entdecken und sagen, Caravaggio hat einen Knaben gemalt, der schon alles hinter sich hat,. vielleicht.
Karl-Ludwig Sauer
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