Nach den Explosionen im Atomkraftwerk Fukushima I mussten 2011 mehr als 100.000 Menschen aufgrund der enormen Strahlenbelastung ihre Heimat verlassen und wurden umgesiedelt. Weite Teile der Umgebung des Kraftwerks erklärte die Regierung zum Sperrgebiet. Bis heute ist der Verbleib der geschmolzenen Brennelemente unbekannt; die explodierten Meiler emittieren eine Strahlung, die inzwischen über die Grenzen Japans hinaus nachweisbar ist.
Inmitten des Schweigens, das sich weltweit über die Folgen der dreifachen Kernschmelze in Fukushima breitet, hat der in Europa lebende japanische Autor Ryo Kikuchi mit "Schlechte Zeit für Haiku. Gedichte nach Fukushima" eine der wenigen Stimmen erhoben, in denen Angst, Schmerz und Trauer der Betroffenen eine Sprache finden. Ohne Zweifel gehört Kikuchis düsteres und suggestives Memento zu den wichtigsten Veröffentlichungen im fünften Jahr der nuklearen Katastrophe.
"Die Erde bebt, die Kamera schwankt. Der Rauch steigt auf, das Schicksal ist entschieden.“
Ryo Kikuchi
Ryo Kikuchi wurde 1979 in Tokio geboren. Nach einem Studium der Philosophie an der University of Michigan war er Doktorand und Teaching Assistant beim Department of Philosophy an der Stanford University. Zum Zeitpunkt der Atomkatastrophe von Fukushima war der Autor Mitarbeiter im Tokioter Büro einer internationalen Unternehmensberatungsfirma. Später zog er nach Deutschland und studierte Caritaswissenschaft an der Universität Freiburg. Gegenwärtig wohnt er in Freiburg i. Br. mit seiner Frau und zwei Kindern.
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