Über die nationalsozialistische Verfolgung homosexueller Männer und anderer nicht-heterosexueller Menschen in Witten ist bisher so gut wie nichts bekannt. Dieser Band der Wittener Hefte für Stadtgeschichte folgt dem homosexuellen Wittener Kaufmann Gustav Niessen (1911–1978). Die Nazi-Justiz verurteilte ihn wegen seiner Homosexualität 1939 zu einer Haftstrafe. Sobald er sie verbüßt hatte, wies ihn die Kriminalpolizei in das Konzentrationslager Sachsenhausen ein. Niessen überlebte die Internierung in vier Konzentrationslagern und er überstand zwei Todesmärsche. Zurück in Witten, endete die Verfolgung nicht, denn der entsprechende Paragraf des Strafgesetzbuches war nach wie vor in Kraft. Gegen alle Widerstände versuchte er, wieder selbst über sein Leben zu bestimmen. Die Geschichte seiner Verfolgung ist die Geschichte homosexueller Männer aus Witten, sie war keine Ausnahme. Die hier präsentierte Lokalstudie möchte zu weiteren lokalhistorischen Forschungen anregen, z. B. über lesbische Frauen und weitere nicht-heterosexuelle Menschen.
Ralph Klein
Nationalsozialismus Witten Homosexuelle