Epilog
Das Buch, das Sie gerade in den Händen halten, ist mein fünfundvierzigstes! Eine große Zahl, wenn man bedenkt, wann mein erstes Büchlein, denn damals war es noch nicht so direkt ein Buch, erschienen ist. 1981. Es hieß „Windfahndl“ und enthielt Liebesgedichte. Von den fünfundvierzig Büchern sind ca. 10 nur Büchlein, aber es kamen dann später noch umfangreichere Werke dazu, mit bis zu knapp fünfhundert Seiten.
In meiner Lebensgeschichte am Anfang dieses Buches habe ich am Schluss kurz erzählt, wie ich zum Schreiben gekommen bin. Aber eigentlich fing es schon in der Kindheit an, die Liebe zu Gedichten, die mir meine Tante Rosel immer wieder vortragen musste, wenn sie einmal bei uns war. Meine Freude an Geschichten und am Zuhören, wenn andere etwas über sich erzählten. Viele Texte aus meinen Bilderbüchern konnte ich auswendig. Als ich später Geschichten erzählte, die nicht stimmten, hörte ich von meiner Mutter, dass ich log. Mein Vater aber sagt: „Das Kind hat nur zu viel Phantasie!“ Diese Phantasie muss in den Genen gelegen haben, denen man ja heutzutage alles Mögliche in die Schuhe schiebt.
Mein Großvater, den ich selber nicht mehr kennengelernt habe, weil er lange vor meiner Geburt schon verstorben war, war Wirt, Metzger, Rosshändler, Limonadenfabrikant und auch so etwas wie ein Hotelier, denn in seinem Gasthaus gab es auch Fremdenzimmer. Die Gäste in seiner Wirtsstube hat er immer gut unterhalten, eben mit Geschichten, vielleicht auf seinen Wegen selbst erlebten oder aber auch seiner Phantasie entsprungenen.
Mein Vater, sein Sohn, hatte eine Kinderfrau und bekam seine Mahlzeiten in Geschirr mit einem Goldrand. Er war auf keinen Fall ein Nachfolger seines Vaters, denn er war heulend weggelaufen, wenn dieser mit blutiger Schürze aus dem Schlachthaus kam. Mit fünfundzwanzig Jahren musste er den Betrieb übernehmen, sein Vater war verstorben, die Mutter mit allen möglichen Habseligkeiten verschwunden. Es gab angeblich keine Bettwäsche mehr für die Gästebetten, kaum noch Besteck und so weiter. Nun, wie gesagt, ein Wirt oder gar ein Metzger, das war mein Vater auf keinen Fall! In der ersten Zeit hatte er es zwar probiert, aber er kam zu spät ins eheliche Schlafzimmer, es tat der jungen Ehe nicht gut. So kam ein Pächter ins Haus und wir hatten im oberen Stockwerk eine Wohnung, sozusagen auf dem Gästeflur.
Von meinen Kindertagen und unserer Flucht habe ich schon im vorderen Teil dieses Buches erzählt. Auch dass ich immer sehr interessiert an Gedichten und Geschichten war. Oft saß ich auf der Treppe zum Außenspeicher, ein Buch, eine Zeitung in der Hand und las darin, obwohl ich das noch gar nicht konnte. Ich freute mich auf die Schule, wo ich es endlich lernen durfte! Ich glaube, ich war von der ersten Klasse an eine eifrige Schülerin. In meinem ersten Zeugnis stand. Das Kind ist mit Fleiß und Ehrgeiz bei der Sache. Und ich schämte mich, denn Geiz ist doch keine gute Eigenschaft! Ich trug Gedichte vor, die ich von meinem Vater gehört hatte und die den Nonnen, die die Schule in Bad Aibling leiteten, nicht gefielen. Man steckte mich in die Knabenschule. Ein erschreckendes Erlebnis für mich: Ich, mitten unter den Buben! Zwar war ich dort nicht das einzige Mädchen, auch noch andere waren ausgelagert worden, weil die Klassen zu voll waren. Aber auch diese Zeit ging vorbei, denn wir zogen um nach Feldkirchen-Westerham. Da war ich in der vierten Klasse und auch da waren die Hälfte Buben. Aber jetzt war ich es schon mehr oder weniger gewohnt. Was mir an der Schule um besten gefiel, wir durften – manche sagten mussten – Aufsätze schreiben. Und so war ich beim Schreiben angelangt.
Eigentlich wollte ich Schauspielerin werden. Ich hatte in der fünften Klasse einen „Theaterverein“ gegründet, schrieb manche der Stücke selber oder schon vorhandene etwas um. Es machte Spaß und unser lieber Lehrer Gruber ließ uns gewähren, und nahm unsere Aufführungen als Deutschunterricht. Die Lust am Schreiben wurde bei mir immer mehr. Ich hatte einen ersten Roman verfasst, der drei Doppelhefte umfing. Irgendwann ist dieses Erstlingswerk verloren gegangen. Als ich in die Mittelschule nach Rosenheim kam, waren Ausätze immer meine besondere Freude. Später, bei einem Klassentreffen sagte eine ehemalige Mitschülerin zu mir. „Jetzt hab ich gedacht, diesmal ist mein Aufsatz der beste und dann war es wieder deiner und du durftest ihn vorlesen. Meine Deutschnote hieß sehr gut. Also geschrieben habe ich praktisch schon, seit ich schreiben konnte und gelesen habe immer sehr viel und alles Mögliche. Ich genoss sozusagen die Deutsche Sprache.
Später, in den 60er Jahren war ich beim Franz-Schneider-Verlag, der Kinderbücher herausgab, sozusagen der „Onkel Franz“, der die Kinderbriefe beantwortete, die von den jungen Lesern so ab und zu beim Verlag ankamen. Als es einmal hieß, er werde ein Buch mit Gute-Nacht-Geschichten geplant, habe ich auch zwei solcher Geschichten geschrieben und eingereicht. Angenommen wurden sie nicht, weil der Chef sagte: „Wo kämen wir da hin, wenn schon unsere Angestellten zu schreiben anfangen!“ Die Lektorin, Frau Dr. Kern, war allerdings angetan von meinen Geschichten und meinte: „Sie können das. Machen Sie nur so weiter!“
Und daran habe ich mit letzten Endes gehalten. Fünfundvierzig Bücher in fünfundvierzig Jahren, das ist doch kein Pappenstiel. Allerdings, zu großem Ruhm habe ich es damit nicht gebracht. Aber mir selber hat es was gebracht. Ich bin mit mir selber zufrieden und freue mich, wenn bei meinen Lesungen die Leute sagen, dass es ihnen gefallen hat.
Nun heißt dieses fünfundvierzigste Buch „Zu guter Letzt“ und so meine ich es auch. Ich habe insgesamt fünfundzwanzig DIN A 4 Ordner voll geschrieben, mit Gedichten, Geschichte, nun möchte ich eigentlich mit dem Suchen und Sortieren aufhören, Doch wie heißt es so schön? „Nix Gwieß woaß ma ned“ und in diesem Sinne: Warten wir’s ab.
Pauderer Monika
Pauderer Monika Zu guter Letzt